Aktuelle Änderungen bei den IFRS-Standards

Neue Anforderungen zur Erfüllung der internationalen Rechnungslegungsstandards haben die Unternehmen mit voller Intensität erreicht, je nach Branche in unterschiedlicher Ausprägung. Dieser Blog-Beitrag erläutert die Herausforderungen, die es gilt, rechtzeitig in Angriff zu nehmen.

Die neuen Anforderungen zu IFRS 4, 9 oder 15 erfordern eine Erweiterung der IT-Finanzarchitektur, um Bewertungseffekte und Wertentwicklungen auf Einzelgeschäftsebene nachvollziehbar in die Finanzberichterstattung zu integrieren. 

 

 

Bereits angekommen sind die Anforderungen aus IFRS 9 bei den Banken. Die Vorgaben zu Fair Value Berechnungen und zu Impairment wurden überwiegend mit einem Umbau der bestehenden Risikosysteme bewerkstelligt. Nun gilt es jedoch, den neu entstehenden Datenhaushalt auf sehr granularer Ebene, in diesem Fall auf Einzelgeschäftsebene, in das Finanzberichtswesen zu integrieren.

 

 

Hierfür findet derzeit ein Umbau der bestehenden Reportinginfrastruktur in vielen Unternehmen statt; häufig laufen diese Projekte unter dem Titel „integrierte Finanzarchitektur“. Die Experten der pmOne haben für Tagetik Anwender mit einem leistungsfähigen Modul auf Einzelgeschäftsebene die Anforderungen der Impairment-Berechnung abgedeckt und die neu entstehenden Informationen durch eine Erweiterung des Datenmodells integriert. Wichtig ist darauf hinzuweisen, dass die Transparenz, die Nachvollziehbarkeit und der Vergleich unterschiedlicher Strukturen als wesentliche Standard-Funktion bereits Teil von Tagetik ist.

 

 

Die nächste Welle der aufsichtsrechtlichen Anforderungen im Bereich Solvency II hat die Versicherungsbranche erreicht und neue IFRS Anforderungen stehen ante portas, so etwa zu IFRS 4. Seit 2004 werden Versicherungsverträge nach IFRS 4 bilanziert. In naher Zukunft soll dieser Standard durch eine aktualisierte Version – IFRS 4.2 – abgelöst werden, die Bilanzierungs- und Bewertungsprinzipien vereinheitlichen und standardisieren soll. Der Standardentwurf schreibt deshalb ein neues Bewertungsmodell vor, den sogenannten Building Block Approach, um Versicherungsverträge zu bilanzieren und zu bewerten.

 

 

Tagetik, als Anbieter einer pre-packaged Standardlösung für Versicherungen, mit der die Anforderungen aus Solvency II erfüllt werden, hat bereits reagiert: Es wurde eine modulare Erweiterung gestartet.

 

 

Somit sind die Kunden von Tagetik in der Lage, Module für IFRS 4 oder 9 „hochzufahren“. Die einzelnen Module sind auf einer einzigen Plattform für Analytical Performance Management (APM) entwickelt worden, die bereits zur Planung von Cashflows bei Tagetik-Anwendern im Einsatz ist.

 

Die Regelungen aus IFRS 15 sind für sehr viele Unternehmen relevant

Weitere Anforderungen an die Konzernrechnungslegung ergeben sich aus dem Rechnungslegungsstandard IFRS 15, der die Realisierung von Umsätzen aus Kundenverträgen behandelt. Dabei handelt es sich um ein einheitliches Regelwerk, das diverse andere Standards im Bereich Umsatzlegung ersetzt (z.B. IAS 11, 18, IFRIC 13, 15). IFRS 15 soll Inkonsistenzen zwischen bestehenden IFRS- und US GAAP-Bestimmungen eliminieren und somit die Vergleichbarkeit der Umsatzzahlen zwischen verschiedenen Unternehmen, Branchen und Rechtsprechungen erhöhen.

 

Von IFRS 15 ist eine Vielzahl an Unternehmen betroffen. Kundenverträge mit folgenden Charakteristika, die als beispielhafte Auflistung keinen Anspruch auf Vollständigkeit haben, könnten IFRS 15 auch für Ihr Unternehmen relevant machen:

 

 

  • Kundenspezifische Verträge (zum Beispiel bei Auftragsfertigung)
  • Kombination mehrerer Güter oder Dienstleistungen (zum Beispiel bei Lieferung einer Maschine inklusive Wartungsvertrag)
  • mit variablen Preisbestandteilen (zum Beispiel Staffelbonus)
  • Lizenzverträge (zum Beispiel für Softwareprodukte)
  • mit möglicher Anpassung während der Vertragslaufzeit (zum Beispiel bei Dienstleistungen)

 

 

IFRS 15 muss in Geschäftsjahren angewendet werden, die am oder nach dem 01. Januar 2018 beginnen. (Hinweis: Die Verschiebung der Anwendung von IFRS 15 vom 01.01.2017 auf den 01.01.2018 wurde am 22.07.2015 bestätigt.) Eine frühere Anwendung ist zulässig. Es bestehen zwei Möglichkeiten zur Erstanwendung: die retrospektive Anwendung oder Erstanwendung mit kumuliertem Effekt zu Beginn der Anwendung.

 

Unsere dringende Empfehlung: Befassen Sie sich mit IFRS 15 

Aufgrund der hohen Komplexität der Thematik sowie der Vielzahl der möglicherweise in einem Unternehmen betroffenen Organisationseinheiten, Gesellschaften und Systemen sowie aufgrund der Interdependenzen zwischen diesen, empfehlen wir nachdrücklich, das Thema zeitnah anzugehen. Die möglichen Auswirkungen auf Kennzahlen und KPI, auch auf Bonus-relevante Größen, sind zusätzlich zu beachten. Ein ausreichender zeitlicher Vorlauf ist auch vor dem Hintergrund wichtig, dass im Fall der Einführung nach der retrospektiven Methode, Verträge mit Kunden im Jahr vor dem Go-Live sowohl nach dem aktuellen, als auch nach dem neuen Standard (IFRS 15) bewertet werden müssen. Diese Transition-Phase hat zum Ziel, rückblickend auf vergleichbare Vorjahreszahlen zurückgreifen zu können. Die Durchführung einer solchen Phase bedingt zusätzlichen Aufwand und Zeit.

 

 

Es bleibt anzumerken, dass es für alle diese neuen Anforderungen mit einem Umbau der IT-Finanzarchitektur noch nicht getan ist. Ein Umdenken in den Organisationen hinsichtlich verstärkter Zusammenarbeit der Fachbereiche Rechnungswesen, Controlling und Risikomanagement ist erforderlich. Durch immer kürzere Abschlussfristen sind auch die unternehmensinternen Berichtsprozesse zu prüfen und bei Bedarf anzupassen.

 

Erfahren Sie hier mehr über die Anforderungen aus IFRS-Neuerungen

Philipp Staudhammer

Philipp Staudhammer ist Senior Consultant bei der verovis GmbH. Nach seinem Studium der Wirtschaftsinformatik an der TU München arbeitete er zunächst bei der KPMG als Assistant Manager, Financial Systems and Processes.

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Heimo Teubenbacher

Senior Account Manager

pmOne AG

Heimo Teubenbacher hat in seiner 25-jährigen Bankenkarriere mit Schwerpunkt im Bereich Finance & Risk im Private Banking, Asset Management, Retail- und Hypothekarsgeschäft gearbeitet. Seit seinem Wechsel zur pmOne, wo er als Senior Account Manager vorzugsweise Banken und Versicherungen betreut, bringt er seine Erfahrung in Projekte für Planung, Reporting und Konsolidierung ein.

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Bernd Trautwein

Geschäftsführer

verovis GmbH

Als studierter Wirtschaftsingenieur startete Bernd Trautwein seine Karriere bei KPMG in der Wirtschaftsprüfung. Bereits 2004 im Consulting der KPMG zum Partner ernannt, baute er das Beratungsfeld Business Intelligence bis Ende 2014 mit über 100 Beratern und Managern auf. Seit 2015 ist er in der Geschäftsführung der verovis GmbH.

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