Solvency II: Aufgehoben ist nicht aufgeschoben

Schrittweise Umsetzung von Solvency II-Anforderungen bis 2017

Solvency II ist das gegenwärtig wichtigste Projekt im Bereich der EU-Versicherungsaufsicht. Ziele der Richtlinie sind die Stärkung des Versicherungsschutzes, Standards im Wettbewerb innerhalb der EU zu schaffen und eine europaweite Aufsicht zu gewährleisten.

Nachdem zwischenzeitlich das Jahr 2013 als Zieldatum angepeilt worden war, sieht das EU-Aufsichtssystem für Solvency II-Anforderungen inzwischen eine schrittweise Umsetzung bis 2017 vor. Elke König, die Präsidentin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hatte den realistischen Start von Solvency II bereits vor einiger Zeit auf den 1. Januar 2017 datiert. Ein Grund für die Aufschiebung von der Solvency II - Umsetzung sind die Eigenkapitalregeln. Rechtliche und tatsächliche Realisierbarkeiten der einzelnen Themengebiete zu Solvency II spielen für diese Vorgehensweise eine entscheidende Rolle. Experten zu Solvency II weisen darauf hin, dass die Versicherer in Deutschland bei Themen wie Risikomanagement schon sehr weit fortgeschritten seien und die Umsetzung in den Unternehmen aktiv angingen.

Eine Befragung von Universal-Investment und der Unternehmensberatung d-fine unter 23 Versicherungsunternehmen zur Umsetzung von Solvency II unterstreicht die Aussagen der BaFin: Demnach haben 78 Prozent der Befragten mit einem Solvency-II-Reporting-Projekt begonnen; 83 Prozent haben sich bereits mit den Auswirkungen auf die Kapitalanlage beschäftigt. 21 der befragten Versicherungsunternehmen ziehen es vor, auf die Standardformel zur Berechnung der Eigenmittelunterlegung zurückzugreifen und keine individuellen Modelle zu entwickeln.

Das populäre Thema Solvency II ist auch attraktiv für Beratungs- und Softwarehäuser, die sich auf Business Intelligence und Performance Management spezialisiert haben. So beschäftigt sich beispielsweise die PricewaterhouseCoopers AG bereits seit langem mit Solvency II und hat jetzt sogar eine eigene Solvency II-App entwickelt, die im App Store kostenfrei erhältlich ist. Darin enthalten sind Erläuterungen zu Solvency II in strukturierter und übersichtlicher Form sowie künftige Anforderungen an Erst- und Rückversicherungsunternehmen und Versicherungsgruppen. Erläuterungen und Hintergrundinformationen können durch interaktives Navigieren gezielt abgerufen werden. Die Solvency II-App von PwC ist hier erhältlich: https://itunes.apple.com/de/app/solvency-ii/id636538801?mt=8

Im schönen Lucca in Italien sitzt das global agierende Software-Unternehmen Tagetik, dessen zukunftsfähige Lösung Anwender darin unterstützt, die Solvency II-Anforderungen zu erfüllen. Tagetik verfügt sowohl über die Software als auch über die Branchenerfahrung, um Prozesse zu Berichterstattung und Veröffentlichung zu optimieren – eingebunden in eine komplette, schnell zu implementierende Solvency II-Lösung. Die Lösung gewährleistet sogar eine 100-prozentige Übereinstimmung mit den aktuellen wie auch den künftigen EIOPA-Anforderungen. Auch im Dienstleistungs- und Beratungsbereich gut aufgestellt, haben Versicherer mit Tagetik einen kompetenten Ansprechpartner, wenn es um die Umsetzung der Solvency II-Anforderungen geht.

Abzuwarten bleibt indes, ob die Umsetzung von Solvency II bis 2017 erfolgen wird oder ob es zu einer erneuten Aufschiebung kommt. Gabriel Bernardino, Chairman des Europäischen Versicherungswesen und der betrieblichen Altersversorgung, ließ laut „Insurance Insight“ (http://www.insuranceinsight.com) verlautbaren, dass die Regelungen definitiv nicht vor 2016 umgesetzt werden können.

Auch in Großbritannien ist das Thema Solvency II sehr präsent und sorgt für Spannungen. Der konservative Abgeordnete Andrew Tyrie, der dem Treasury Select Committee vorsitzt, verkündete laut „The Independent“ kürzlich, dass die Solvency II-Regeln in der gesamten Branche nur Verwirrung und Ärger verursachten. Es gäbe noch viele offene Fragen zu klären, wie die nach den durch Verschiebungen entstandenen enormen Kosten, welche Konsequenzen entstünden, ob es eine Amortisierung bei den Kosten gäbe und von welchen positiven Effekten die Verbraucher profitierten.

Letztendlich soll Solvency II den Verbrauchern zu Gute kommen. Aus Sicht von uns allen wäre ein „Aufgeschoben“ also immer noch besser als ein „Aufgehoben“.

Tim Erben

Head of Digital Marketing

pmOne AG

Tim Erben, Head of Digital Marketing ist seit mehr als 8 Jahren für die pmOne im Bereich Corporate und Online-Marketing tätig. Zuvor war er mehrere Jahre für verschiedene Unternehmen im Bereich Business Intelligence, Performance Management und Enterprise Content Management aktiv. Schwerpunktmäßig beschäftigt sich Tim Erben mit Themen wie Corporate-/Online-Marketing Strategien, Modern Marketing: Content, Automation and Analytics to Drive Growth sowie Technical SEO.

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