Peter Oberegger: „Das größte Potential der Unternehmen liegt in ihren eigenen Daten“

Ziemlich genau 100 Tage ist der neue Vorstandsvorsitzende der pmOne AG, Peter Oberegger, nun im Amt. Ein guter Zeitpunkt, um den neuen Lenker zu seinen ersten Eindrücken von der Business-Intelligence-Branche und den Plänen für die Zukunft des Unternehmens zu befragen.

Peter Oberegger (CEO), pmOne AG

Peter Oberegger (CEO)

Herr Oberegger, Sie sind ein gestandener Manager und erfolgreicher Unternehmer. Was waren die für Sie persönlich prägendsten Stationen in Ihrer bisherigen beruflichen Laufbahn?

Das war sicherlich die Zeit bei Nokia und Vorwerk. 1993 habe ich bei Nokia begonnen, einen Geschäftsbereich aufzubauen, dessen Umsatz binnen acht Jahren von acht auf 250 Millionen Mark gewachsen ist. Bei Vorwerk war ich dann ab 2000 zunächst verantwortlich für den Thermomix in der Schweiz und habe überlegt, wie man daraus ein Lifestyle-Produkt machen kann. Nachdem ich diesen Geschäftsbereich übernommen hatte, galt es in den darauffolgenden sechs Jahren, die Weichen für das globale Wachstum zu stellen. Heute ist die Thermomix-Sparte der größte Bereich im Hause Vorwerk mit knapp 1 Milliarde Euro Umsatz. Ab 2006 war ich dann als persönlich haftender Gesellschafter für den gesamten Konzern zuständig. Als ich zu Vorwerk kam, lag der Gesamtumsatz bei 1,2 Milliarden Euro; Ende 2010 als ich das Unternehmen verlassen habe, bei 2,6 Milliarden Euro.

 

Wie kamen Sie zur pmOne?

Das beruht eher auf einem Zufall: Vor etwa zwei Jahren bin ich angesprochen worden, ob ich nicht Interesse und Lust hätte, den Aufsichtsrat von pmOne zu verstärken. Daraus haben sich einige positive Gespräche entwickelt. Ich fand es spannend, wieder in die IT-Industrie zurückzukehren. Vor Nokia habe ich ja bei Fujitsu und Hitachi gearbeitet und war somit insgesamt fast zehn Jahre in der IT. Nun bin ich sozusagen back to the roots. Zunächst habe ich pmOne also aus Sicht des Aufsichtsrats kennengelernt. Unabhängig von meiner Person bin ich generell der Auffassung, dass ein Unternehmen eine Führung in Form eines CEO braucht, den es in der Form bei der pmOne zuvor nicht gab. Als sich dann personelle Änderungen im Vorstandsteam angekündigt haben, habe ich mich dazu entschieden, einzusteigen, Anteile zu kaufen und diese Verantwortung zu übernehmen.

 

Die ersten 100 Tage im Amt liegen hinter Ihnen. Was reizt Sie besonders an der neuen Tätigkeit?

pmOne hat in den ersten acht Jahren seit der Gründung einen erstaunlichen Weg zurückgelegt und ist aus eigener Kraft zu einem Unternehmen mit 200 Mitarbeitern gewachsen, das mittlerweile einen Umsatz von 30 Millionen Euro erwirtschaftet. Es reizt mich, das Unternehmen jetzt in die nächste Dimension zu führen, Strukturen zu setzen und noch mal so einen Erfolg zu haben wie in den vorangegangenen Firmen. Ich strebe mit pmOne mindestens eine Verdopplung des Umsatzes an, vielleicht geht es sogar in Richtung 100 Millionen. Bis dahin haben wir jedoch noch sehr viele Dinge zu erledigen.

 

Bleibt pmOne auf diesem Weg ein Software- und Beratungsunternehmen mit Schwerpunkt Business Intelligence und Big Data? Oder wird sich unter Ihrer Führung das Geschäftsmodell ändern?

Nein, an der Ausrichtung Business Intelligence, Corporate Performance Management und Big Data werden wir nichts ändern. Das sind die Themen, für die pmOne steht, das ist unsere Stärke, und das können wir. Es begeistert mich zu sehen, welche tollen Projekte die Mannschaft bei unseren Kunden verwirklicht und welches Innovationspotenzial dahinter steckt – sei es Predictive oder Cloud. Das sind Themen, an die wir anknüpfen müssen und die wir erfolgreich weiter nach vorn tragen müssen. Ich denke, dazu müssen wir noch klarer herausarbeiten, was wir wirklich können, was unsere Kernkompetenzen sind und welchen Mehrwert wir unseren Kunden liefern – denn das ist sehr viel. Dass wir uns als ‚Datenversteher‘ positionieren, gefällt mir schon mal sehr gut und ist ein erster Schritt in diese Richtung. Und nicht zuletzt stehen wir vor der Aufgabe, unsere eigene Software cMORE ganz stark nach vorne zu bringen.

 

Wo sehen Sie pmOne in fünf Jahren?

Ein ganz wichtiger Aspekt ist, dass wir bei all unserem Handeln die Profitabilität nicht vergessen dürfen. Es gibt genügend Unternehmen in unserer Branche, die darauf weniger Wert legen und sich Kapitalbeteiligungsgesellschaften hereinholen. Das darf und wird bei uns nicht der Fall sein. Ziel ist es, dass sich pmOne auch künftig aus eigenem organischem Wachstum heraus nachhaltig weiterentwickelt, ein gesundes Unternehmen bleibt und weiterhin eigenes Kapital aufbaut.

 

Das bedeutet, pmOne wird auch künftig nur aus eigener Kraft wachsen?

Das soll im Prinzip so bleiben. Ich will allerdings nicht ausschließen, dass wir zu einem späteren Zeitpunkt einen strategischen Investor ins Boot holen. Wenn das so wäre, wird derjenige jedoch nicht Exit-geprägt sein, sondern es käme nur ein langfristig orientierter Anker-Investor in Frage. Aber wir haben derzeit viele andere Hausaufgaben zu erledigen, so dass dieses Thema nicht im Vordergrund steht.

 

Peter Oberegger

Erfahrung aus der IT-Branche bringen Sie mit, die Software-Sparte ist hingegen Neuland für Sie. Welche Besonderheiten können Sie ausmachen? Gibt es Parallelen zu anderen Branchen oder dominieren eher die Unterschiede?

Natürlich unterscheidet sich die Software-Branche von anderen, weil wir ‚Intellectual Property‘ verkaufen. Nichtsdestotrotz gibt es sehr viele Ähnlichkeiten. Durch die Vertriebsbrille betrachtet, habe ich letztendlich immer Produkte mit einem Elektrik-Stecker verkauft, ob das nun PC, Drucker, Scanner, Faxgeräte, Festplatten und später dann Thermomix oder Staubsauger waren. Im Dienstleistungsbereich kenne ich mich insofern aus, als dass Vorwerk auch eine Finanzdienstleistungssparte hatte. Letztendlich geht es aber doch überall um Kunden und darum, sie zu überzeugen und zu gewinnen. Und genau das müssen wir auch bei pmOne tun, um erfolgreich unsere Dienstleistungen und unsere Software-Produkte zu verkaufen.

 

Für pmOne und Kunden von pmOne spielt das Thema Reporting eine wichtige Rolle. Als Manager waren Sie jahrelang auf Seite der Berichtsempfänger. Nun sind Sie für ein Unternehmen verantwortlich, das bei seinen Kunden das Berichtswesen mitgestaltet. Gibt es Verbesserungsansätze, die Sie aus der Empfängerperspektive einbringen können?

Ich hatte immer das große Glück, in Firmen zu arbeiten, die über eine sehr gute Datenanalyse verfügen. Doch nicht zuletzt aufgrund meiner persönlichen Investitionen im kleineren mittelständischen Bereich habe ich festgestellt, dass viele, auch größere mittelständische Betriebe über ihre eigenen Daten kaum wirklich Bescheid wissen. Diese schlummern in verschiedenen Datensilos, oder es werden diverse, nicht miteinander verknüpfte Informationssysteme genutzt. Das größte Potential der Unternehmen liegt in ihren eigenen Daten. Die Unternehmen werten wichtige Informationen aus verschiedensten Gründen einfach nicht vernünftig aus – selbst wenn sie es könnten. Doch genau das ist die Grundlage für erfolgreiches Wirtschaften: Jedes Unternehmen muss wissen, was die Produkte kosten, die es herstellt oder einkauft, wieviel das Unternehmen daran verdient, welches seine strategischen Kunden sind etc. All diese Informationen muss das Reporting liefern können. Nur so ist das Controlling in der Lage, schnell gegenzusteuern, wenn sich Dinge in die falsche Richtung bewegen. Für die pmOne, die in diesem Bereich großes Know-how vorzuweisen hat, bietet sich hier mithin ein ganz beträchtliches Marktpotenzial.

 

Wenn Kunden und Interessenten Sie gerne mal persönlich kennenlernen möchten – wo haben sie Gelegenheit dazu?

Als Freund von persönlichen Begegnungen freue ich mich auf viele gute Kundengespräche. Entweder bei uns in Unterschleißheim oder – noch besser – beim Kunden selbst. Indem wir vor Ort sind, verstehen wir auch besser, was unsere Kunden machen und können dadurch erkennen, wie wir ihnen noch besser dabei helfen können. Und sicherlich werde ich auch im zweiten Halbjahr wieder auf der einen oder anderen unserer zahlreichen pmOne-Veranstaltungen anzutreffen sein.

Vielen Dank für das Gespräch.

Tim Erben

Head of Digital Marketing

pmOne AG

Tim Erben, Head of Digital Marketing ist seit mehr als 8 Jahren für die pmOne im Bereich Corporate und Online-Marketing tätig. Zuvor war er mehrere Jahre für verschiedene Unternehmen im Bereich Business Intelligence, Performance Management und Enterprise Content Management aktiv. Schwerpunktmäßig beschäftigt sich Tim Erben mit Themen wie Corporate-/Online-Marketing Strategien, Modern Marketing: Content, Automation and Analytics to Drive Growth sowie Technical SEO.

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Stefan Sexl

Gründer der pmOne

pmOne AG

Stefan Sexl kennt den Business Intelligence-Markt seit Anfang der 90er Jahre aus verschiedensten Perspektiven. Neben Support- und Consultingtätigkeiten war er einer der Mitbegründer sowie Geschäftsführer der EFS Informationstechnologie, einem österreichischen Beratungsunternehmen für OLAP und BI. Bei der MIS GmbH (später MIS AG) leitete er das Produktmanagement für Business Intelligence, bevor er die Geschäftsführung für Vertrieb/Marketing der MIS Technologies übernahm. Nach einem Jahr als freier Berater und Autor kehrte er als Vorstand Marketing & Produkte zur MIS Gruppe zurück. 2007 gründete er dann die pmOne AG mit.

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