Power BI 2.0 im Detail: Content Packs

Der im Juli 2015 von Microsoft veröffentlichte "Business Analytics Service" Power BI 2.0 findet schnell in der Business-Intelligence-Community große Beachtung. Ein Grund ist das Konzept der „Content Packs“, die in diesem Blog-Beitrag ausführlich vorgestellt werden.

Der im Juli 2015 von Microsoft veröffentlichte "Business Analytics Service" Power BI 2.0 findet schnell in der Business-Intelligence-Commnity große Beachtung. Ein Grund ist das Konzept der „Content Packs“, die in diesem Blog-Beitrag ausführlich vorgestellt werden.

Auf Basis des Blogartikels "Was kann der neue Business Analytics Service Power BI 2.0 von Microsoft?", in dem "Grundwissen" vermittelt wurde, erläutert dieser Beitrag das Thema „Content Packs“ im Detail.

 

Was sind Content Packs?

Content Packs sind Microsoft Power BI Pakete mit vordefinierte Konnektoren zu unterschiedlichen Informationsquellen, die bereits alle notwendigen Einstellungen sowie die für den Nutzer relevanten Datenstrukturen als Power Pivot Modell beinhalten. Eine Verbindung zu einer Quelle muss nicht mehr konfiguriert werden sondern ist sofort für Jeden einsetzbar der Zugriffsrechte hat und kann über mitgelieferte Reports schnelle Ergebnisse liefern.

Aktuell stellt PowerBI.com 22 verschiedene Content Packs zur Verfügung. Microsoft Business Intelligence stellt regelmäßig neue Content Packs für Services oder Applikationen zur Verfügung. Es können aber auch innerhalb der eigenen Organisation Power BI 2.0 Content Packs erstellt und angeboten werden.

 

Abbildung 1: Aktueller Ausschnitt der verfügbaren Konnektoren

 

Hinter jedem dieser Packs steckt ein vollständiger Connector zu dem entsprechenden Service, der direkt über powerbi.com das notwendige Dataset, einen Bericht und zusätzlich ein mögliches Dashboard erzeugt.

Im Hintergrund baut Power BI ein Pivot Modell auf, mit dem Reports und Dashboards erzeugt werden können. Dieses Pivot Modell kann zur Zeit durch den Anwender nicht weiter bearbeitet oder verändert werden.

Allerdings kann der Anwender, da er das Dataset, einen Bericht, sowie ein Dashboard über das Content Pack erhält, diese beliebig anpassen, also etwa die Refresh-Intervalle des Datasets oder die Berichtinhalte verändern.

Abschließend können die Berichtsobjekte beliebig im Dashboard angeordnet, hinzugefügt und entfernt werden. Zusätzlich ist es möglich, ein Dashboard mit beliebigen Berichtsobjekten aus unterschiedlichen Berichten zu befüllen. Weiter unten wird beschrieben, wie man konkret mit diesem neuen Feature arbeiten kann.

Dieses Feature ist sowohl in der freien Lizenz für Power BI als auch in der Lizenz Power BI Pro uneingeschränkt verfügbar.

Es ist auch möglich, mit Power BI Desktop die neuen Content Packs zu nutzen. Möglich ist über diesen Weg ein komplexeres Bearbeiten der Berichte auf dem lokalen Computer.  Die Content Packs selbst sind in der Desktop Version allerdings nicht abgegrenzt und größtenteils in dem Menüpunkt „Daten abrufen“ integriert und sofort einsetzbar.

 

Abbildung 2: Daten abrufen mittels integrierter Content Packs im Power BI Desktop

 

Wie kann ich mit Content Packs arbeiten?

Eine intuitive Möglichkeit mit den neuen Content Packs zu arbeiten, ist diese über powerbi.com hinzuzufügen. Hierzu einfach von der Startseite auf „Daten abrufen klicken“ und im sich öffnenden Dialog unter Dienste auf „Abrufen“ klicken.

 

Abbildung 3: Daten in der Organisation abrufen

 

Anschließend öffnet sich der Dialog mit allen aktuell zur Verfügung stehenden Content Packs. Hier auf das Icon des benötigten Anbieters klicken und dem Wizard folgen. Dieser kann, je nach Anbieter und notwendigen Authentifizierungsinformationen etwas unterschiedlich aussehen, daher in Abbildung 4 als Beispiel der Wizard für den Content Pack zu SQL Database Auditing.

 

Abbildung 4: Einsatz vom Content Pack "SQL Database Auditing"

 

Sobald alle notwendigen Informationen (meistens Accountname und -passwort) eingegeben wurden, werden das zugehörige Dataset, ein Demobericht sowie ein Demodashboard zu dem Content Pack erzeugt. Diese können nun beliebig angepasst werden.

Kleiner Tipp: Werden die Berichtsobjekte an ein Dashboard „gepinnt“, werden diese immer in dem zuletzt geöffneten Dashboard hinzugefügt, eine direkte Steuerung der Zuordnung zu einem Dashboard ist aktuell nicht möglich.

 

Kann ich selbst Content Packs erstellen?

Ja – das ist durchaus möglich, allerdings ähnlich wie beim Sharen der Dashboards nur in einer definierten Organisation. Dies wird über die E-Mail-Adresse, unter der das powerbi.com Konto registriert wurde, festgelegt (z.B. ..@pmOne.com). Daher auch der Name „Organizational Content Pack“. Hierüber können Dashboards, Berichte und Datasets in der gesamten Organisation oder auch nur mit bestimmten Kollegen aus der gleichen Organisation geteilt werden. Um ein solches Organizational Content Pack zu erstellen, wählt man auf der powerbi.com Startseite (nach erfolgreichem Login) links unten auf „Daten abrufen“. Im darauf folgenden Dialog gelangt man unter „Meine Organisation“ über den „Abrufen“ Button auf den „Organizational Content Pack“ Bereich (Abbildung 5).

 

 

Abbildung 5: Organizational Content Pack für die pmOne AG

 

Hier können nun alle für den aktuellen Benutzer freigegebene Content Packs eingesehen und in den lokalen Bereich geladen werden. Zusätzlich können hier über „Inhaltspaket erstellen“ neue Content Packs erstellt und für Kollegen oder die gesamte Organisation freigegeben werden.

Sobald ein Organizational Content Pack in den lokalen Bereich importiert wurde, können auf die zugehörigen Objekte direkt im eigenen Arbeitsbereich zugegriffen werden. Sobald etwa ein zugehörige Dataset geöffnet wird, wird es in den lokalen Kontext kopiert, um Anpassungen daran vornehmen zu können, die sich dann nur auf den eigenen Arbeitsbereich nicht aber auf das Organizational Content Pack auswirken.

 

Abbildung 6: Anpassung eines geteilten Content Packs

 

Was sind konkrete Anwendungsfälle für Power BI 2.0 Content Packs?

Die offiziell von Microsoft zur Verfügung gestellten Content Packs wurden durch oder in Zusammenarbeit mit Anbietern von Cloud Services erstellt, die ihren Nutzern eine einfache Möglichkeit für Analysen und Reports bieten wollen. Daher sind Content Packs interessant für Unternehmen, die einen eigenen Service publizieren oder eine Applikation um eine einfache analytischen Komponente erweitern möchten, die keine weiteren Lizenzkosten verursacht sowie keine weitere Serverinfrastruktur benötigt, aber trotzdem auch im Team genutzt werden kann.

Die unternehmensinterne Nutzung bietet sich an für Fragestellungen, die auf komplexeren Quelldaten basieren, aber nur  für kleine verstreute Nutzergruppen intern angeboten werden sollen. Auch der Zugriff auf spezielle Datenquellen im Unternehmen (Produktionssteuerungen oder Logistikanwendungen), die analytisch interessante Daten erzeugen, aber nicht für direkte Analysen konzipiert sind, kann so ohne großen technischen Aufwand „erschlossen“ und Fachanwendern ermöglicht werden.

 

Fazit: Mehr Möglichkeiten mit der Lizenz Power BI Pro

Die Vorteile von Content Packs liegen klar auf der Hand. Content Packs machen es möglich, dass hochkomplexe Ansteuerungen von APIs entfallen, die früher von internen IT-Abteilungen bereitgestellt wurden, und externe Informationsquellen, wie etwa Daten von Google Analystics oder Salesforce, leicht und schnell abrufbar sind.

Durch die Auftrennung der einzelnen Objekte in Datasets, Berichten und Dashbaords kann die Bereitstellung verschiedener Information auf verschiedenen Ebenen stattfinden. So kann ein Dataset die Datengrundlage für einen Bericht sein, der wiederum durch verschiedene Dashboards repräsentiert wird. Auf diesem Weg können sehr leicht verschiedene Perspektiven für Abteilungen bereitgestellt werden, die aber weiterhin auf ein Dataset zurückgreifen.

Derzeit ist es allerdings noch nicht möglich, zwei verschiedene Datasets in einem Bericht zu konsolidieren. Nach unserer Einschätzung sollte dieses Feature aber bald folgen, da so neue Möglichkeiten von Lösungen bereitgestellt werden können.

Auch der Mehrwert von selbst erstellen „Organizational Content Packs“ ist klar ersichtlich, so dass die Verbreitung in Unternehmen sicher schnell erfolgen wird. Durch das Sharen der „Organizational Content Packs“ können verschiedene Bereiche auf verschiedene Datasets zugreifen und dennoch konsumieren alle Beteiligten die Informationen aus einer Quelle. Einen kleinen Haken hat der Einsatz von „Organizational Content Packs“ aber noch: Sie können nur von Accounts mit der Lizenz Power BI Pro erstellt und benutzt werden.

 

 

Abbildung 7: Organizational Content Packs sind nur für Power BI Pro verfügbar

 

Das Erstellen und Verteilen von Organizational Content Pack ist nur an Accounts mit einer Lizenz Power BI Pro möglich. Zum Ausprobieren bietet Microsoft für zwei Monate eine kostenlose Testlizenz.

Abschließend ist festzuhalten, dass das Thema „Content Packs“ und „Organizational Content Pack“ derzeit stark durch Microsoft forciert wird, weil es unserer Einschätzung nach ein guter Weg ist, ein Konzept für "Corporate BI", also die Standardisierung und Automatisierung von Business Intelligence, umzusetze

Markus Begerow

Consultant DWH

pmOne AG

Markus Begerow ist seit mehreren Jahren als Berater in der Datenbankentwicklung, im Data Warehouse- und Business Intelligence-Bereich tätig. Sein Schwerpunkt liegt auf der Konzeption und Entwicklung von Schnittstellen von klassischen Anwendungen bis hin zu Data-Warehouse-Lösungen für mittlere und große Unternehmen, die auf Microsoft-Plattformen und -Technologien basieren. Darüber hinaus stellt er sein Know-how in einem Lernportal mit Blog und Forum zur Verfügung. 

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Sebastian Müller

Principal Architect / Principal Engineer

pmOne AG

Seit seinem Master-Abschluss in Informatik im Jahr 2013 berät Sebastian Müller als Teil des pmOne-Teams Unternehmen in Data Warehouse- und Business-Intelligence-Angelegenheiten. Sein Fachwissen bringt er zusätzlich ein, indem er ein pmOne-internes Forschungsteam mit dem Fokus auf Self-Service Business Intelligence leitet.

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