Power BI 2.0 im Detail: Custom Visuals

Getestet und für gut befunden: Markus Begerow und Sebastian Müller haben sich im Rahmen der Serie „Power BI 2.0 im Detail“ diesmal intensiv mit den Custom Visuals, einem neuen Power BI Feature, auseinander gesetzt. Microsoft baut mit dieser Visualisierungsmöglichkeit die Ausgestaltung von Power BI-Berichten deutlich aus und vereint Business Intelligence-Standards mit Analytics-Innovationen. In diesem Blog-Beitrag befassen sich die beiden mit dem Potenzial von Custom Visuals und geben wertvolle Hinweise für den Einsatz der neuen Visualisierungselemente.

Mit der Ankündigung der Custom Visual Gallery in Microsoft Power BI hat Microsoft den nächsten logischen Schritt in der Evolution von Analytics-Software eingeleitet. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Business Intelligence-Standards vereinen sich mit Analytics-Innovationen. Microsoft kommt damit dem Bedürfnis professioneller Drittanbieter und Entwickler nach, sogenannte „Visuals“ für die für eine flexiblere Benutzererfahrung zu schaffen.

Was sind Custom Visuals?

Microsoft Power BI unterstützt neue kundenspezifische Visualisierungstypen, sogenannte Custom Visuals, über welche die Daten auf neuen und interessanten Wegen aufbereitet und präsentiert werden können. Ein Custom Visual kann zusätzlich zu den bestehenden Visualisierungen in einem Report ergänzt oder eigenständig betrachtet werden.

Custom Visuals werden mittels eines Visualisierungsframeworks erstellt, welches aus zwei Teilen besteht. Der technische Aspekt deckt die Sprache TypeScript ab, die später die Custom Visuals in reines Java Script übersetzt. Damit lassen sich Custom Visuals auf jedem Browser, Server oder Betriebssystem einsetzen. Die grafische Komponente wird mittels Cascading Style Sheets (CSS) realisiert, das heute von allen gängigen Browsern unterstützt wird. Der Open Source Gedanke hinter TypedScript und CSS ermöglicht es auch, beliebig neue (Custom) Visuals zu entwickeln.

Power BI Custom Visuals können sowohl als neue Möglichkeit bei der Aufbereitung von Berichten als auch als Navigationselemente für Interkationen in Power BI Reports genutzt werden. Die selbst erstellten Visuals können anschließend über die Microsoft Power BI Website veröffentlicht werden. Die aktuelle Liste ist in der Visuals Gallery unter folgendem Link abrufbar: https://app.powerbi.com/visuals

 

Abbildung1: Auszug aus der Custom Visuals Gallery

 

Auf diese Weise ermöglicht es Microsoft, dass Entwickler ihre eigenen visuellen Elemente in Power BI hinzuzufügen können, um diese dann in Berichten zu verwenden.

Wie kann ich Custom Visuals nutzen?

Grundsätzlich lassen sich zwei verschiedene Anwendungsgebiete identifizieren: PowerBI.com und die Power BI Desktop-Anwendung (mehr dazu im Blog-Beitrag „Was kann der neue Business Analytics Service Power BI 2.0 von Microsoft?“). Für beide Bereiche sind die Custom Visuals mittlerweile verfügbar. Und in beiden Fällen muss das Custom Visual entweder entsprechend entwickelt (siehe unten) oder aus der Custom Visual Gallery heruntergeladen werden:

Abbildung 2: Download eines Custom Visuals aus der Visuals Gallery

 

 

Des Weiteren ist sowohl in PowerBI.com in den Datasets und den Berichten als auch in der Desktopversion unter den Visualisierungen ein neues Item hinzugekommen:

Abbildung 3: Custom Visuals hinzufügen

 

Über dieses Item gelangt man zum Import der Custom Visuals. Da hier zusätzlicher Code in den Reports ausgeführt und somit auf die Reportdaten zugegriffen werden kann, sollten diese nur aus verifizierten Quellen stammen (hierzu hat Microsoft einen Artikel veröffentlicht). Ist dies sichergestellt, kann das Visual direkt importiert werden und erscheint anschließend in der Liste der Visuals:

Abbildung 4: Visualisierungen mit neuem Custom Visual

 

Diese neue Visualisierung kann nun, genau wie die bisherigen Visualisierungen, beliebig konfiguriert, mit Daten versehen und anschließend mit anderen Visuals kombiniert und gefiltert werden.

 

Wie kann ich eigene Custom Visuals anlegen?

Eigene Custom Visuals lassen sich über einen eigenen Editor erstellen und anschließend verteilen und veröffentlichen. Das Erstellen eigener Visuals ist allerdings zurzeit nur über PowerBI.com möglich. Hierzu kann auf der powerbi.com-Seite über Einstellungen auf die Entwicklertools zugegriffen werden:

Abbildung 5: Öffnen der Entwicklertools auf PowerBI.com

 

In den Entwicklertools kann direkt ein neues Custom Visual entwickelt oder ein bestehendes erweitert oder angepasst werden – Programmierkenntnisse in CSS und TypeScript (Javascript) vorausgesetzt (eine entsprechende Anleitung von Microsoft findet sich in diesem Artikel).

 

Fazit: Eine gute Erweiterung für PowerBI 2.0, insbesondere für Entwickler

Der große Vorteil der Custom Visuals besteht darin, dass nun jeder, der über entsprechende Programmierkenntnisse verfügt, eigene visuelle Darstellungen für Power BI entwickeln kann. Diese können dann direkt geteilt und veröffentlicht werden und funktionierten in unseren Tests sowohl in der PowerBI Desktop-Applikation als auch auf PowerBI.com einwandfrei. Die Möglichkeit, Custom Visuals selbst zu erstellen, wird in der Community sehr gut angenommen, sodass sich die Visuals Gallery von Microsoft ständig erweitert (Link) und somit immer wieder neue Visualisierungsmöglichkeiten für Power BI-Nutzer zur Verfügung stellt.

Die Kehrseite dieses neuen Features betrifft die Sicherheit: Durch die neuen Custom Visuals wird nun Fremdcode in die eigenen Reports importiert, der unbedingt geprüft werden sollte (Link), bevor sensitive Daten mit diesen Visualisierungen verknüpft werden. Auch lassen sich diese Visuals bisher nur in den Datasets und Reports darstellen. Es gibt noch keine Möglichkeit, sie in den Dashboards zu integrieren.

Abschließend kann festgehalten werden, dass dieses neue Power BI-Feature die Möglichkeiten der Visualisierung für alle Nutzer erweitert und – entsprechenden Entwicklerkenntnisse vorausgesetzt – fast beliebige Möglichkeiten bei der Visualisierung in der Power BI-Umgebung bietet.

 

 

Markus Begerow

Consultant DWH

pmOne AG

Markus Begerow ist seit mehreren Jahren als Berater in der Datenbankentwicklung, im Data Warehouse- und Business Intelligence-Bereich tätig. Sein Schwerpunkt liegt auf der Konzeption und Entwicklung von Schnittstellen von klassischen Anwendungen bis hin zu Data-Warehouse-Lösungen für mittlere und große Unternehmen, die auf Microsoft-Plattformen und -Technologien basieren. Darüber hinaus stellt er sein Know-how in einem Lernportal mit Blog und Forum zur Verfügung. 

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Sebastian Müller

Principal Architect / Principal Engineer

pmOne AG

Seit seinem Master-Abschluss in Informatik im Jahr 2013 berät Sebastian Müller als Teil des pmOne-Teams Unternehmen in Data Warehouse- und Business-Intelligence-Angelegenheiten. Sein Fachwissen bringt er zusätzlich ein, indem er ein pmOne-internes Forschungsteam mit dem Fokus auf Self-Service Business Intelligence leitet.

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