Sechs Thesen zu Business Intelligence

Im Herbst herrscht mal wieder Hochkonjunktur auf den Laufstegen. Was sind die aktuellen Trends? Das hat sich auch Tim Erben in Bezug auf die Business-Intelligence-Branche gefragt. Schließlich vollzieht sich der technologische Wandel in der Arbeitswelt (und darüber hinaus) in ähnlich atemberaubendem Tempo wie das schnelllebige Modegeschäft. Für alle BI-Interessierten, die wissen wollen, was up to date ist, kommt hier die aktuelle Kollektion in Form von sechs Thesen...

Um ihre Geschäftsmodelle und Verkaufsstrategien möglichst nah an den Bedürfnissen der Kunden auszurichten, streben datenorientierte Unternehmen nach Analysen und Prognosen. Vor diesem Hintergrund hat das Thema Big Data in den vergangenen zwei Jahren enorm an Zugkraft gewonnen. Viele verbraucherorientierte Unternehmen sehen darin eine Notwendigkeit, um in ihrem Markt wettbewerbsfähig zu bleiben.

Diese Datenrevolution bringt Veränderungen für die Unternehmen mit sich. So werden strategische Technologieinvestitionen getätigt, zum Beispiel in ein Hadoop Distributed File System (HDFS), neue Rollen wie die des Datenanalysten geschaffen, und auch die Themen Data Governance und Datenqualität bekommen eine völlig neue Gewichtung.

Große Veränderungen dürften auch im Bereich Enterprise Information Management bevorstehen. Um Bedürfnisse im Markt vorhersagen zu können, müssen Unternehmen qualifizierte Mitarbeiter daraufhin schulen, dass sie Daten richtig verstehen, Lösungen für das Kundenbeziehungsmanagement (CRM) verwalten und komplexere Anwendungsfälle erarbeiten können.

 

1. Die Grenzen zwischen den Aufgaben von Datenwissenschaftlern und denen von Datenanalysten verwischen

Das Bild vom Datenwissenschaftler, der sich im stillen Kämmerlein der klassischen Code-Programmierung und Analyse widmet, ist längst überholt. Im direkten Austausch mit den Stakeholdern muss ein Datenwissenschaftler heute kommunikativ sein und über eine zukunftsorientierte Denkweise verfügen. Das Berufsbild ist mittlerweile so populär und attraktiv, dass Harvard Business Review die Rolle des Datenwissenschaftlers als „sexiest“ des 21. Jahrhunderts erklärt hat.

Entsprechend ist auch das Ansehen der Datenanalysten, die Unternehmensdaten aufbereiten und in Geschäftsberichten nach den Richtlinien des Information Designs visualisieren, gestiegen. Unlängst hat die FH Oberösterreich im Auftrag der KPMG eine Studie „Information Design in den Geschäftsberichten der Dax 30-Unternehmen“ herausgebracht, die den großen Bedarf an qualifizierten Datenanalysten bestätigt.

Die vielfältigen und permanent steigenden Business-Anforderungen bei der Datenanalyse und modernen Business-Intelligence-Werkzeugen tragen dazu bei, dass die Grenzen zwischen den Aufgaben von Datenwissenschaftlern und Datenanalysten zunehmend verwischen.

Einer Gartner-Prognose zufolge werden die Betätigungsfelder beider Positionen zusammengefasst und in der Rolle eines Datensachverständigen aufgehen. Dieser wird dann in der Lage sein, für die Berichterstattung und Visualisierung von Daten zu sorgen. Er zeichnet sich aus durch sein Know-how hinsichtlich der neuen NoSQL-Datenbanken oder Hadoop. Nützliche und profitable Vorhersagemodelle aus vielen verschiedenen Datenquellen zu produzieren, wird eine seiner Kernaufgaben sein. Auch wird es ihm obliegen, komplexe Daten aus Back-Office-Anwendungen in einfache, verständliche Datenvisualisierungen zu verwandeln.

http://www.gartner.com/newsroom/id/3051717 

Wir bei der pmOne sprechen im Übrigen lieber vom Datenversteher als vom Datensachverständigen.

 

2. Microsoft nimmt bei cloud-basierten Business-Intelligence-Lösungen eine dominierende Rolle ein

Das Thema Cloud steht bei Microsoft unter anderem mit Office 365 ganz oben auf der Agenda, um sich den neu entstandenen Herausforderungen wie zum Beispiel den Bereitstellungen von betriebswirtschaftlichen Applikationen und Informationen zu stellen. Inzwischen gibt es einige moderne Lösungsansätze für Cloud-basierte BI-Systeme, die ein ganzheitliches Angebot bieten, um Kunden bei der Integration und Qualität ihrer Daten zu unterstützen.

Viele individuelle Cloud-Projekte werden diesen Markt stärken und vorantreiben, um die derzeit bestehenden Ängste und Sorgen der Unternehmen in Bezug auf Datensicherheit & Co. zu lindern. Ein Praxisbeispiel für einen Framework zum Aufbau einer individuellen Cloud-Lösung beschreibt cMORE/Fares.

 

3. Big Data ersetzt die klassische Datenaufbereitung als eines der spannendsten Themen im Business-Intelligence-Sektor

Das Jahr 2014 war ein prägendes Jahr für die Datenaufbereitung für verschiedene Branchen wie auch Fachabteilungen, insbesondere innerhalb der ETL (Extract, Transform, Load), also dem Zusammenführen von Daten aus mehreren, gegebenenfalls unterschiedlich strukturierten Datenquellen in einer Zieldatenbank. Größere technologische Durchbrüche gab es in Bereichen wie Cloud Computing, semantische Algorithmen, verteiltes Rechnen oder dem maschinellen Lernen.

In diesem Jahr wird die Verbreitung von unstrukturierten Daten weiter wachsen und deutlich an Komplexität zunehmen. Unternehmen werden sich mithin verstärkt der Datenstandardisierung widmen müssen.

Die grundlegende Verwaltung und Aufbereitung der Daten bekommt eine völlig neue Gewichtung. Die Führungsebenen bzw. das Management der einzelnen Unternehmen wünschen sich neue und clevere Lösungsansätze für das Information Management als cloud-basierte oder On-Premise-Lösung, ein All-in-One-Datenaufbereitungssystem.

 

4. Hadoop steht vor einem Make-or-Break Jahr

Die komplette IT-Landschaft lebt bereits im Web 2.0. Unternehmen wie Google, Yahoo, Facebook und Twitter sind allerdings schon einen Schritt weiter und beschäftigen sich intensiv mit Hadoop für Big Data-Projekte im Enterprise-Markt. Der Markt für Unternehmenssoftware wird auf circa hundert Milliarden Dollar pro Jahr geschätzt und die Herausforderungen sind vielfältig:

  • Viele Hadoop-Projekte in den Unternehmen sind sogenannte Wissenschaftsprojekte, die noch nicht in Produktionsumgebungen integriert wurden;
  • Die wichtigsten Hadoop-Distributionen, etwa von Cloudera oder Hortonworks sind noch nicht miteinander kompatibel;
  • Hadoop und die IT-Giganten, darunter auch Google, gehen in Bezug auf die Datenbankanbieter aggressiv vor. Unklar bleibt derzeit noch, welchen Einfluss hierbei die Bestimmungen zum Datenschutz, insbesondere in der EU, haben.

Wie also sieht die Zukunft für Hadoop aus? Viele Experten sind der Überzeugung, dass sich Hadoop in den nächsten Jahren zu einer führenden Technologie weiterentwickeln und eine hervorragende Zukunft haben wird.

 

5. Marketing wird einer der Haupttreiber bei Business-Intelligence-Entscheidungen

Traditionell ist die IT-Abteilung das Maß aller Dinge, wenn es um die Entscheidung über den Einsatz von Technologien im Unternehmen geht. Durch die neuen technischen Entwicklungen in Form von Cloud Computing, Self-Service-Technologien und intelligenten Endgeräte verschieben sich die Machtverhältnisse von der IT zu den relevanten Fachabteilungen, die zu neuen Entscheidungsträgern werden. Bereits bei mehr als der Hälfte des Budgets für Business Intelligence und Analyse sind Gartner zufolge die Fachabteilungen die federführenden Kräfte im Unternehmen.

Besonders augenfällig ist in diesem Zusammenhang die sich wandelnde Rolle des Marketing. Die Marketingabteilungen versuchen verstärkt, sich weg von einem „Kostenverursacher“ und hin zum Wachstumsmotor des Unternehmens zu positionieren. Dazu gehört es, Business-Intelligence-Lösungen für gezielte Analysen, Auswertung und Vorhersagen zu nutzen sowie Daten für Marktbeobachtungen und strategische Auswertungen heranzuziehen. Business Intelligence und Predictive Analytics ermöglichen es, Plattformen für datengesteuertes Marketing zu errichten.

Den IT-Abteilungen obliegt es, die Kollegen aus dem Marketing oder den Finanzabteilungen bei ihren Vorhaben technisch zu unterstützen. Gefragt ist ein kooperatives Miteinander sowie teamübergreifendes Arbeiten.

 

6. Internet der Dinge wird realistisch

Ob Erfindungen wie die elektronische Zahnbürste mit Datenübertragung (damit Eltern sehen können, wie lange ihre Kinder die Zähne gebürstet haben) sich wirklich durchsetzen werden und von Nutzen sind, darüber lässt sich gewiss streiten. Allerdings gibt es im Umfeld des so genannten Internet der Dinge auch eine Reihe von intelligenten Beispielen, die den Alltag durchaus erleichtern: So wie die automatisierten Seifenspender in Fast Food Restaurants, die rechtzeitig Alarm schlagen, bevor die Seife ausgeht. Verbrauch und Einkauf lassen sich so absolut genau für jede Filiale bestimmen – natürlich immer mit einem kleinen Puffer für besondere Vorfälle. Kein Kunde muss sich je wieder über fehlende Seife ärgern. Gute Chancen, dass sie schon bald als unentbehrlich angesehen werden, haben auch intelligente Patientenzimmer oder Zählerablesungen sowie Innovationen rund um Überwachungssteuerungen.

Fakt ist auf jeden Fall, dass die Anzahl und Vielfalt von Geräten, die das Internet der Dinge umfasst, atemberaubend wächst – und natürlich ein riesiges Marktpotenzial birgt. Dass das Internet der Dinge schon bald eine Selbstverständlichkeit sein wird, darüber herrscht auch bei den Analysten Einigkeit: Ob Gartner, IDC oder MIT Technology Review – sie alle stimmen darin überein, dass im Jahr 2020 in etwa 30 Milliarden Objekte miteinander vernetzt sein werden.

Tim Erben

Head of Digital Marketing

pmOne AG

Tim Erben, Head of Digital Marketing ist seit mehr als 8 Jahren für die pmOne im Bereich Corporate und Online-Marketing tätig. Zuvor war er mehrere Jahre für verschiedene Unternehmen im Bereich Business Intelligence, Performance Management und Enterprise Content Management aktiv. Schwerpunktmäßig beschäftigt sich Tim Erben mit Themen wie Corporate-/Online-Marketing Strategien, Modern Marketing: Content, Automation and Analytics to Drive Growth sowie Technical SEO.

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