Self-Service BI: Überlegungen und Untersuchungen von TDWI, BARC und Forrester

Eine Selbstbedienungs-Mentalität soll hinsichtlich Business Intelligence in den Unternehmen Einzug halten. Das TDWI behandelt „Self-Service BI“ in der jüngsten Ausgabe seiner Fachzeitschrift, BARC hat aktuell die fünf wichtigsten Anforderungen veröffentlicht und Forrester hat im vergangenen Jahr am Markt verfügbare Werkzeuge untersucht: Danach ist die Business-Intelligence-Plattform von Microsoft hinsichtlich Self-Service BI führend.

Der Begriff Self-Service BI wird bereits seit dem Release des Microsoft SQL Server 2008 R2 im April 2010 diskutiert. Damals wurde PowerPivot als Add-in für Excel und SharePoint verfügbar. Um die Einfachheit von PowerPivot zu propagieren, wurde von Selbstbedienung oder Self-Service gesprochen. Die Idee ist, dass der Fachanwender eigenständig und weitgehend unabhängig von der IT-Abteilung oder Entwicklern seine Analysen durchführen und Berichte erstellen kann.

In der Ausgabe 1/2013 des Business Intelligence Journal, der Fachzeitschrift für die Mitglieder des TDWI, wurde das Thema Self-Service BI ausführlich behandelt. So präsentiert der Autor Myron Weber drei Symptome für die Notwendigkeit von Self-Service BI.

  • Erstes Symptom: Ein Prozent der Angestellten hat Datenzugriff, aber 99 Prozent benötigen die Daten.
  • Zweites Symptom: Die Datenanalysten benötigen den Großteil ihrer Zeit, um die relevanten Daten zusammenzustellen anstatt Analysen mit den relevanten Daten zu machen.
  • Drittes Symptom: Das Business-Intelligence-Team wird als Flaschenhals angesehen und ist im Unternehmen zunehmend isoliert.

Die gesamte Ausgabe des Business Intelligence Journal kann hier als PDF-Dokument heruntergeladen werden.

In seinem aktuellen Newsletter hat das Business Application Research Center (BARC GmbH) aus Würzburg die wichtigsten fünf Anforderungen für Self-Service BI zusammengetragen:

Berichte und Dashboards modifizieren: Vorzugsweise die sogenannten „Power User“ wünschen sich eine Business-Intelligence-Lösung, mit der sie ihre Geschäftsinformationen individuell filtern können.

Berichte und Dashboards ad hoc erstellen
: Erfahrene Fachanwender möchten ihre Ergebnisse am liebsten ohne Unterstützung der IT erstellen und an den Endanwender weiterleiten. Mit den „Self-Service BI“-Werkzeugen ist dies nun realisierbar, allerdings müssen bei der Berichtserstellung verständliche Formen gefunden und Richtlinien eingehalten werden.

Private und lokale Daten mit zentral bereitgestellten Daten zusammenführen: Dafür können die Daten direkt oder zusammen mit anderen Daten in ein Data Warehouse, Data Mart oder in andere zentrale und übergreifend genutzte Datenspeicher übertragen werden. Alternativ lassen sich lokale Daten über semantische Layer laden. Der Fachanwender erhält dadurch für seine Berichte und Analysen sowohl Zugriff auf die zentral bereitgestellten als auch auf die lokalen Daten. In einer dritten Möglichkeit werden die lokalen Daten direkt über sogenannte „Schlüssel“ mit den vorhandenen Berichtsdaten verbunden.

Mit Datenmodellen arbeiten: Power User beabsichtigen beispielsweise Prognosen über künftige Geschäftsprozesse abzubilden, Statistiken über Geschäftszahlen zu erstellen oder umgestaltete Vertriebsstrukturen zu vergleichen. Die dafür notwendige Datenmodellierung erfolgt technisch häufig in so genannten Sandboxes, die einer kontrollierten Datenbank-Umgebung entsprechen.

Höhere Datenqualität: Einige Fachanwender oder Verantwortliche für Datenqualität wollen Werkzeuge für Self-Service BI für ihre Aufgaben einsetzen.


Abb1.: Traditionelle BI in der Gegenüberstellung zu Self-Service BI

Im CeBIT Guide Business Intelligence 2012 der isi Medien, München, wurde von den Autoren Dr. Carsten Bange und M.A. Janet Hinterberger vom Business Application Research Center der lesenswerte Artikel "Self-Service BI – Unabhängigkeit für Fachanwender" veröffentlicht. Weitere BARC-Studien finden Sie hier...

Bereits im Juli 2012 haben die IT-Analysten von Forrester Software-Plattformen für Self-Service BI untersucht. Die Ergebnisse sind als Forrester Wave veröffentlicht worden. Die BI-Plattform von Microsoft wurde neben denen von SAS, SAP und IBM als führend eingestuft. Großer Vorteil von Microsoft BI ist Excel. Wer bereits Excel nutze, brauche nicht weiter nach einem anderen Werkzeug für Self-Service BI zu suchen, schreiben die Analysten von Forrester in diesem Dokument.

Natürlich sorgt die Werkzeugauswahl alleine noch nicht für Self-Service BI. Und so nennt Myron Weber in seinem Artikel im Business Intelligence Journal noch drei Aspekte, mit denen der Wechsel vom Status quo hin zu Self-Service BI gelingt. In der nachfolgenden Aufzählung erscheinen diese Aspekte naturgemäß trivial. In der ausführlichen Darstellung von Myron Weber dürften sie interessierten Anwendern mehr Hilfestellung geben.

Für Myron Weber ist der erste wichtige Aspekt, dass die Kosten verstanden werden. Zweitens gelte es einen geeigneten Auslöser zu finden, der die gewünschte Veränderung einleitet. Drittens sollte ein Test- oder Pilotprojekt gewählt werden, das mit Sicherheit zum Erfolg führt und als Beispiel und Vorbild für weitere Vorhaben dienen kann.

Tim Erben

Head of Digital Marketing

pmOne AG

Tim Erben, Head of Digital Marketing ist seit mehr als 8 Jahren für die pmOne im Bereich Corporate und Online-Marketing tätig. Zuvor war er mehrere Jahre für verschiedene Unternehmen im Bereich Business Intelligence, Performance Management und Enterprise Content Management aktiv. Schwerpunktmäßig beschäftigt sich Tim Erben mit Themen wie Corporate-/Online-Marketing Strategien, Modern Marketing: Content, Automation and Analytics to Drive Growth sowie Technical SEO.

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Dietmar Köthner

Dietmar Köthner besitzt eine umfassende Kenntnis des Business Intelligence und Performance Management Marktes – nicht zuletzt aufgrund seiner langjährigen Tätigkeit für das Fachmagazin is report.

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