BARC-Studie hinterfragt Reifegrad der Unternehmensplanung

Die Analysten von BARC haben sich anhand einer Befragung bei über 200 Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz daran gemacht, mit einer Vielzahl von Kriterien den Reifegrad der Integrierten Unternehmensplanung zu beurteilen. 

Ich darf vorausschicken, dass ich vor gut 20 Jahren mein Studium bei einer anerkannten Controlling-Koryphäe erfolgreich abgeschlossen habe. Meine Examensnoten im Controlling waren sogar sehr gut. Trotzdem wäre ich kaum ein guter Controller geworden.

 

Das liegt kaum an der inhaltlichen bzw. fachlichen Entwicklung der Unternehmensplanung, die sich nach meiner Beobachtung in Trippelschritten vollzieht. Top-Down oder Bottom-Up, rollierender Forecast, treiberbasierte Planungsgrößen, zentrale und dezentral Planung: Das sind die Fragen mit denen sich Unternehmensplaner in Wissenschaft und Praxis immer und immer wieder befassen können.

 

Die BARC-Anwenderstudie „Integrierte Unternehmensplanung“ ist lesenswert, weil sie ein Reifegradmodell für die Unternehmensplanung vorstellt, das die Dimensionen fachliche Integration, technische Unterstützung und Organisation der Planung zueinander in Beziehung setzt. Erstrebenswert ist aus Sicht der Analysten ein „planungsgetriebenes Unternehmen“ mit integrierter strategischer und operativer Planung, vollständig transparenter Planung und Steuerung sowie Planung als essentiellem Bestandteil der Unternehmenssteuerung. Bei 75 Prozent der antwortenden 214 Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz liegt der Reifegrad auf den Stufen zwei bis vier. Ausreißer nach unten á la „wir planen mit Bleistift und Papier“ sind ebenso selten wie die Charakterisierung der Unternehmen als planerische Perfektionisten.

 

Die BARC-Anwenderstudie „Integrierte Unternehmensplanung“ bestätigt vielfach, was man ohnehin schon ahnte: So bleibt die Integration von Teilplänen die „fachlich größte Herausforderung“, „ein hoher Grad an fachlicher und technischer Integration bedingen einander“, Excel wird sehr häufig bei der „technischen Umsetzung der integrierten Unternehmensplanung“ benutzt und „Planung hat einen hohen Stellenwert“, aber die Zuständigkeiten im Planungsprozess sind häufig unklar.

 

Ähnlich wie Emaille-Schilder für das Marketing ist Excel in der Unternehmensplanung nicht mehr zeitgemäß.

 

Möglichkeiten der technischen Unterstützung zu wenig erkannt

Seit meinem Controlling-Studium hat sich unglaublich viel getan in der Dimension der „technischen Unterstützung“ der Unternehmensplanung. Bei meinem ersten Job hatte ich einen „486-Rechner“ mit Windows 95 und war mächtig stolz darauf. Umso enttäuschter bin ich, dass auch 2016 immer noch fast die Hälfte der Unternehmen Microsoft Excel für Planung und Budgetierung „hauptsächlich“ einsetzen. Die Analysten von BARC haben noch differenzierter nachgefragt: Bei allen Planungsaspekten ist die Zufriedenheit mit „professionellen Planungs- und Business Intelligence Werkzeugen“ höher als mit Excel. Warum nur setzen Unternehmen für die Planung, ein Werkzeug ein, mit dem sie erstens unzufrieden sind und dass sich zweitens im Grunde seit über 20 Jahren nur wenig verändert hat?

 

Die Enttäuschung macht allerdings dem Entsetzen Platz, wenn ich die Antworten auf die Frage sehe, ob ein Unternehmen sich vorstellen kann, seine Planungslösung in der Cloud zu betreiben. 46 Prozent der Befragten halten das für vorstellbar, haben aber keine Initiativen geplant, am status quo etwas zu ändern. Warum nutzen Unternehmen die vielfach nachgewiesenen Kostenvorteile einer Cloud-Lösung nicht? Was in deutschsprachigen Ländern sehr kritisch diskutiert wird, ist in anderen Ländern quasi Industriestandard.

 

Deswegen frage ich mich, ob der deutschsprachige Controller noch auf der Höhe der Zeit ist, wenn ich aus der BARC-Anwenderstudie „Integrierte Unternehmensplanung“ erfahre, dass 44 Prozent der Unternehmen weder eine Planungslösung in der Cloud anstreben noch überhaupt für vorstellbar halten.

 

Wenn das Marketing-Team bei der pmOne mit dem gleichen Tempo aktuelle Entwicklungen aufgreifen würden wie offenbar viele Planungsverantwortliche in deutschen Unternehmen, würden meine Kollegen und ich hübsche Emaille-Schilder mit dem Logo der pmOne an den Fassaden zentral gelegener Bürogebäude anbringen. Leuchtreklame oder Online-Banner wären des Teufels.

 

Wer eine nüchterne Zusammenfassung der neuen BARC-Anwenderstudie „Integrierte Unternehmensplanung“ lesen möchte, dem sei dieser Beitrag von Martin Bayer, Redakteur bei der Computerwoche empfohlen.

 

Zum kostenlosen Download steht die BARC-Anwenderstudie „Integrierte Unternehmensplanung" auf der Webseite von Tagetik, einem der drei Sponsoren der Befragung, zur Verfügung.

 


 

Webinar für Cloud-Skeptiker

Besonders ans Herz legen möchte ich allen Cloud-Skeptikern unser Webinar „Planung in der Cloud, kann das denn funktionieren?“ am 26. Januar 2017 um 10 Uhr. Wenn Sie in der Controlling- oder Finanzabteilung tätig sowie offen für Neues sind, dann können Sie sich unvoreingenommen in unserem Webinar informieren. Anmeldung direkt hier https://www.pmone.com/events/registrierung/planung-in-der-cloud-kann-das-denn-funktionieren/206/