Big Data – Big Deal, Big Hype oder gar Revolution im Controlling?

Im ersten von zwei Blog-Beiträgen zum Dream Car-Bericht der Ideenwerkstatt des ICV 2014 geht es um die Chancen und Risiken, die sich durch Big Data für Controller und ihr Berufsbild ergeben. Tenor des Berichts ist, dass sich durch Big Data zahlreiche Prozesse in allen Teilen der Wertschöpfungskette effizienter gestalten lassen. Doch gerade Controller sollten bei der Implementierung die Verheißungen neuer Lösungen stets kritisch betrachten und eine ausführliche Kosten-Nutzen-Analyse durchführen.

 

Die Ideenwerkstatt des Internationalen Controller Vereins, ICV (http://www.controllerverein.com), hat es sich zum Ziel gesetzt, wesentliche Trends der Controlling-Praxis zu identifizieren und auf diese Weise Impulse zu setzen. Das Thema 2014: Big Data – Potenzial für Controller. In diesem Dream Car-Bericht wird zum einen die Relevanz des Themas eingeschätzt, zum anderen werden anhand von Praxisbeispielen Gestaltungsempfehlungen formuliert. Diese Zusammenfassung beschäftigt sich mit dem ersten Teil der Publikation – der Relevanz von Big Data für Controller und ihre tägliche Arbeit. Die Gestaltungsempfehlungen werden in einem zweiten Blogbeitrag behandelt.

 

Volume (immense Datenmengen), Variety (verschiedenste Datenformate), Velocity (in hoher Frequenz anfallende Daten) und auch Veracity (Verlässlichkeit der Daten) – diese „Vs“ sind als Eckpfeiler von Big Data allgemein bekannt. Um die Chancen und Risiken dieses Phänomens für Controller nun noch besser identifizieren zu können, ergänzt der ICV diese „Vs“ um zwei weitere Aspekte: Data Analytics (Methode der Datenanalyse) und Value (wirtschaftlicher Nutzen der Big-Data-Lösung). Aufgrund innovativer Technologien stellt inzwischen meist weder die Erfassung noch die Speicherung der anfallenden Datenmengen Unternehmen vor wirtschaftliche oder technische Probleme. Allerdings müssen diese Daten auch angemessen vernetzt und analysiert werden, um den wirtschaftlichen Nutzen daraus möglichst zu maximieren. Hier kommt der Controller ins Spiel: Er ist für die Versorgung der Entscheidungsträger mit allen relevanten Informationen zuständig – muss sich also einen Weg durch den Datendschungel, der mit Big Data einhergeht, bahnen können.

 

 

Big Data im Controlling – Potenzial zur Verbesserung in zahlreichen Bereichen

 

Big Data kann Controllern bei der Unterstützung, Gestaltung und Koordination zahlreicher Teilbereiche der Unternehmensführung helfen. Deshalb sollte das Controlling die Integration von Big Data anregen und dem Implementierungsprozess Struktur sowie Konsistenz geben.

 

 

In Informationssystemen werden seit längerer Zeit auch nicht-monetäre Informationen immer wichtiger. Diese komplexen und heterogenen Daten können dank Big Data nun ebenso erfasst werden wie bisher nur rein monetäre. Allerdings müssen Controller hier den sich bietenden Möglichkeiten stets kritisch gegenübertreten und analysieren, welche Informationen theoretisch generiert werden können und welche für die Entscheidungen des Managements tatsächlich relevant sind. Auch Planungs- und Kontrollsysteme profitieren von Big Data. Verbesserte Ressourcenplanung oder genauere Langzeitprognosen sind nur einige Vorteile, die realisiert werden können. Zudem ist es zum Beispiel möglich, aufgrund von Social-Media-Analysen Risiken vorzubeugen und mögliche Imageschäden durch vorrauschauende Planung zu vermeiden.

 

 

Gefahren und Risiken von Big Data: Big Costs, Big Brother, Big Crime

Dank der großen Anzahl und permanenten Verfügbarkeit von Informationen wird zumindest theoretisch bessere Planung und Kontrolle auf unterschiedlichsten Ebenen der Unternehmenssteuerung und in allen Teilen der Wertschöpfungskette möglich. Allerdings gibt es trotz dieses Potenzials zur Verbesserung nur einige wenige Unternehmen, die mit erfolgreichen Big-Data-Projekten Schlagzeilen machen. Ein großer Anteil beschäftigt sich bis heute noch überhaupt nicht mit diesem Thema. Der „große Anteil“ beträgt laut der Studie „Competing on Analytics 2013“ des Instituts für Business Intelligence (http://www.pmone.com/blog/anfordern/studie-competing-on-analytics-2013-big-data-analytik-nimmt-immer-mehr-an-bedeutung-zu/) 35 Prozent. Die große Zurückhaltung in der Praxis lässt sich unter anderem durch die Gefahren und Risiken erklären, die Big Data mit sich bringt: „Big Costs“, „Big Brother“ und „Big Crime“.

 

Die Einführung von Big Data-Lösungen ist meist mit hohen Investitionskosten und langer Implementierungszeit verbunden. Vor allem da meist nur etwa fünf Prozent der erhobenen Daten dann wirklich konkret analysiert und genutzt werden, müssen diese Investitionen gut begründet werden. Hier besetzt der Controller die Rolle eines Business Partners, der in der Lage sein muss, den Mehrwert einer Lösung mithilfe von Kosten-Nutzen-Analysen zu identifizieren. Ein weiteres Problem ist der Datenmissbrauch. Spätestens seit Edward Snowden und dem NSA-Skandal sind die Proteste von Datenschützern, die sich durch die Massenspeicherung bedroht fühlen, unüberhörbar. In diesem Zusammenhang kommt es zudem auch immer wieder zu Straftaten oder Sabotage (wie zum Beispiel: TomTom verkauft Bewegungsdaten an Regierung http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2011-04/navi-polizei-radarfalle).

 

Zusätzliche Anforderungen an Controller

 

Um diesen Gefahren und Problemen angemessen entgegentreten zu können, sind Fachpersonal und weitreichendes Know-how gefragt – Dinge, die in vielen Unternehmen noch Mangelware sind. Controller müssen inzwischen sowohl einen guten Überblick über die anfallenden Daten haben, als auch ganz genau wissen, welche Technologien zum Datenmanagement verwendet werden und wie sie diese am besten zur Analyse und Visualisierung der Ergebnisse nutzen können. Auch die Gestaltung von stabilen sowie richtig definierten und ausgeführten Geschäftsprozessen fällt in den Aufgabenbereich des Controllers. Damit steigen die Anforderungen an diese Berufsgruppe weiter. Denn die Qualität der erhobenen Daten und die für deren Auswertung eingesetzten Systeme bilden die Grundpfeiler für den Erfolg eines jeden Big-Data-Projekts.

 

 

Angesichts dieser steigenden Anforderungen haben sich zwei Berufsbilder entwickelt, die sehr eng mit dem Controller verwandt sind: der Data Scientist und der Business Analyst. Während der Data Scientist die Schnittstelle zur IT-Abteilung darstellt und in erster Linie für die technische Umsetzung des Projekts verantwortlich ist, hat der Business Analyst die Rolle eines Vermittlers zwischen den verschiedenen Personenkreisen mit heterogenem Wissensstand. Er ist sozusagen der zentrale Projektmanager bei der Implementierung einer Big-Data-Lösung. Allerdings überschneiden sich die Tätigkeitsbereiche des Controllers, Business Analysten und des Data Scientists, was schnell die Frage aufkommen lässt: Wer wird sich durchsetzen? Nehmen Data Scientist oder Business Analyst dem Controller in Zukunft vielleicht die Arbeit weg? Die Antwort ist nein. Der Controller muss weiterhin die „Single Source of truth“, die den Überblick über das gesamte Konzept hat, bleiben. Zudem reichen vor allem in kleinen und mittelständischen Unternehmen die Kapazitäten meist nicht aus, um mehrere Positionen, die dann jeweils sehr spezialisiert sind, zu besetzen. Das hat allerdings zur Folge, dass Controller sich zwangsläufig weiterbilden müssen. Dazu zählt die Erweiterung ihres Wissensstands über IT-Technologien ebenso wie die Aneignung von Informationen zum grundlegenden Konzept des Datenmanagements. Dann erst ist es möglich, Big Data in Unternehmen bestmöglich zu nutzen. 

 

Konkrete Gestaltungsempfehlungen der Ideenwerkstatt des ICV finden Sie im Blogbeitrag zum zweiten Teil des Dream Car-Berichts.

 

 

Der vollständige Dream Car-Bericht „Big Data – Potenzial für den Controller“ des ICV steht hier zum kostenfreien Download zur Verfügung. www.controllerverein.com/BigData.185074.html

 

P.S.: Leider ließ sich nicht endgültig recherchieren, warum der Dream Car-Bericht diesen Namen trägt.