Deutsche Bank-Research: „Big Data – Die ungezähmte Macht“ oder „Am Ende verspricht Big Data vor allem auch Big Business“

Das Deutsche Bank-Research „Big Data – Die ungezähmte Macht“ beschäftigt sich mit dem Thema Big Data samt Chancen sowie Risiken. Daten werden in der heutigen Zeit immer wertvoller – sie werden sogar als neue virtuelle Währung im Netz bezeichnet. Aufgrund dieser Entwicklung sind allerdings auch einige Aspekte, wie zum Beispiel die Sicherheit persönlicher Daten, mehr und mehr kritisch zu betrachten. Dieser Blog-Beitrag fasst die Kernthesen der Studie zusammen.

Intelligente Klamotten geben selbstständig das optimale Waschprogramm an die Waschmaschine durch. Eine Zahnbürste setzt sich bei Karies sofort mit dem Zahnarzt in Verbindung, der dann dafür sorgt, dass ein Termin vereinbart wird. Eine Einzelhandelskette weiß früher als der eigene Vater darüber Bescheid, dass die Tochter schwanger ist, und der Vater wundert sich noch, warum sie auf einmal so viel Werbung für Babyartikel erhält. All diese Szenarien klingen unvorstellbar. Und doch ist zumindest das letzte bereits eingetreten – und auch die anderen beiden sind weniger absurd, als es sich zunächst anhören mag.

Ermöglicht wird all dies durch das Phänomen Big Data, der immer weiter anwachsenden Datenflut und -analyse. Mit diesem Thema befasst sich auch das Deutsche Bank-Research „Big Data – Die ungezähmte Macht“, dessen Kernaussagen im Folgenden zusammengefasst werden.

Volume, Velocity, Variety – und Veracity

Von Anbeginn der Zeitrechnung bis zum Jahr 2003 wurden laut Experten in etwa fünf Milliarden Gigabyte Daten erzeugt. Im Jahr 2011 dauerte dieser Vorgang dann nur noch 48 Stunden, und 2013 fiel diese Menge an Daten sogar bereits alle 10 Minuten an. Damit wird das erste der drei Vs, die die Grundzüge von Big Data darstellen, beschrieben: „Volume“, das unfassbare Ausmaß der entstehenden Datenmengen. Entscheidende Treiber für die immense Zunahme dieser Massen sind vor allem der digitale Strukturwandel sowie die zunehmende Nutzung von mobilen Endgeräten. Das zweite V repräsentiert „Velocity“ (deutsch: Geschwindigkeit). Es stellt Unternehmen immer wieder vor enorme Schwierigkeiten, all die Daten effektiv zu filtern und schnell zu analysieren. Weiter erschwert wird diese Aufgabe durch die „Variety“, die Vielzahl von unterschiedlichen Datenstrukturen und -typen. Während strukturierte Daten wie Alter oder Geschlecht noch recht leicht zu erfassen sind, wird dies bei halbstrukturierten wie E-Mails oder unstrukturierten wie Videos, Bildern oder Streaming, die inzwischen 85 Prozent der Datenmasse ausmachen, schon komplizierter. Hier werden neue und wachsende Anforderungen an bestehende Strukturen gestellt: zunächst müssen die Daten in eine maschinenlesbare Form gebracht und dann miteinander in Verbindung gesetzt werden. Nur so lassen sich später Korrelationen ermitteln. Auch ein viertes V wird inzwischen immer wieder heftig diskutiert: „Veracity“. Die hier angesprochene Richtigkeit beziehungsweise Zuverlässigkeit der Daten ist nämlich bei weitem nicht immer gegeben.

Während Big Data vor einigen Jahren noch ausschließlich ein Thema der IT-Branche war, kommt man inzwischen auch als Akteur aus Wirtschaft, Wissenschaft oder öffentlicher Verwaltung nicht darum herum, sich damit auseinanderzusetzen. Ein Grund hierfür ist, dass die Datenmassen nicht mehr nur zur reinen Erhöhung des volkswirtschaftlichen Nutzens beitragen, sondern auch bei Problemlösungen im gesellschaftlichen sowie humanitären Bereich zu Rate gezogen werden. Die Plattform „Google Grippe Trends“ sagt zum Beispiel durch die Analyse von „gegoogleten“ Suchbegriffen in Echtzeit mit hoher Zuverlässigkeit und regional unterteilt Grippewellen vorher. So könnten diese schneller erkannt und eingedämmt oder gar verhindert werden. Soweit die Idee. An der Ausführung mangelt es jedoch noch etwas (http://www.heise.de/ix/meldung/Bericht-Googles-Big-Data-Technik-patzt-bei-Grippe-Prognose-2144943.html).
 

Daten als die neue virtuelle Währung

Das größte Geschäft mit Daten machen allerdings digitale Ökosysteme wie Google, XING oder Facebook, die eine weite Bandbreite an Produkten und Diensten anbieten und so in den verschiedensten Bereichen Daten von ihren Kunden sammeln können. Hier beruht das gesamte Geschäftsmodell darauf, dass die so erfassten personenbezogene Daten und Profile inzwischen zu einer Art virtueller Währung im Netz geworden sind. Ein einzelnes Unternehmen kann mit seinen Daten allein zumeist nur wenig Mehrwert generieren. Erst die Verknüpfung von verschiedenen Aspekten zu einem kompletten digitalen Profil macht eine umfassende Analyse möglich. Also müssen auch externe Daten, die allerdings in der Regel nicht frei zugänglich sind, beachtet werden. Die langfristige Bindung ihrer Kunden – und damit auch die Sicherstellung ihrer „Datenquellen“ – erreichen die digitalen Ökosysteme häufig, indem sie relativ starke Lock-In-Effekte und damit verbunden hohen Wechselkosten generieren. 

Doch seien wir ehrlich: Es ist schon sehr bequem, wenn man alle Dienste kostenfrei und dann auch noch aus einer Hand bekommen kann. Aufgrund dieses Komforts sind viele bereit, persönliche und sogar intime Details preiszugeben und nehmen auch personalisierte Werbung oder die Weitergabe der Daten an Dritte in Kauf. Allerdings ist es fragwürdig, ob sich dieses Konzept auch mittel- oder langfristig durchsetzen lässt. Ob die Kunden es auf lange Sicht in Kauf nehmen, dass vielleicht irgendwann später einmal belastende Daten oder Bilder von ihnen auftauchen, die große Chancen zunichtemachen. Wahrscheinlich wird es einen bequemen Teil der Bevölkerung geben, dem Annehmlichkeiten wichtiger sind und der dies deshalb kritiklos über sich ergehen lassen wird. Oder man redet sich ein, dass die Plattform selbst sich schon für Datensicherheit und gegen den Missbrauch einsetzen wird. Allerdings sind bereits Forderungen von Datenschützern vernehmbar, die auf ihr Recht auf informelle Selbstbestimmung und Zweckgebundenheit beharren und nach Substitutionsmöglichkeiten suchen.

Diskussionsbedarf im Bereich Big Data

Damit wird auch schon der größte Streitpunkt im Bereich Big Data deutlich: die Datensicherheit. Es gibt zwar nationale und europäische Vorschriften, allerdings ist es vielen Anbietern aufgrund technischer Möglichkeiten ein Leichtes, diese zu umgehen. Werden die Daten zum Beispiel über einen amerikanischen Server weitergeleitet, kann man sich auf US-Recht berufen, wo Datenschutz als weniger wichtig erachtet wird als in der EU. Außerdem ist den meisten Menschen überhaupt nicht bewusst, in welchem Ausmaß sie Daten von sich preisgeben. So schaffen sie sich in etwa eine Google-Brille an, haben jedoch keine Ahnung, was sie Google durch das Tragen der Brille für eine Fülle an Informationen liefern. Meist bleiben die Daten auch nicht in dem digitalen Ökosystem, sondern werden zweckentfremdet, ohne Information des Nutzers mehrfach genutzt und häufig auch monetarisiert. Auch Anonymisierung ist in den meisten Fällen keine Garantie für Sicherheit, da diese durch geschickte Suchanfragen und Kombination von verschiedenen Informationen oft rückgängig gemacht werden kann.

Natürlich ist Big Data kein Allheilmittel und hat durchaus Aspekte, die kritisch betrachtet werden müssen, wie zum Beispiel die Datensicherheit, oder auch ob sich die gewonnenen Erkenntnisse tatsächlich in die Realität übertragen lassen. Allerdings bieten die neuen technischen Analysewerkzeuge sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen zahllose Vorteile. So sollte vor allem im Geschäftsbereich keine Sekunde gezögert werden, sich Big Data Analytics zu bedienen. Hierfür ist zwar zunächst einmal ein Ressourceneinsatz nötig, allerdings können auch immense Wettbewerbsvorteile erzielt werden. Es liegt also an jedem einzelnen, die Methoden möglichst nutzenstiftend in den Alltag zu integrieren und so Verbesserungen zu erzielen.

Unter folgendem Link finden Sie das vollständige Deutsche Bank-Research „Big Data – Die ungezähmte Macht“: http://dbresearch.de/PROD/DBR_INTERNET_DE-PROD/PROD0000000000328652.pdf