Excel - immer noch das gängigste BI-Werkzeug

Auch im Zeitalter von Big Data kann Excel immer noch eine Bereicherung einer Business-Intelligence-Lösung sein. Gert Farnberger, Vorstand Sales pmOne, zeigt im Interview Trends und Entwicklungen auf.

Was zeichnet heute eine gute Business-Intelligence-Lösung aus?

Ziel bei der Implementierung einer Business Intelligence (BI) Lösung ist es immer, Entscheidungen schneller und besser treffen zu können, indem die relevanten Daten bereitgestellt werden. Dementsprechend stehen Datenqualität, Benutzerfreundlichkeit der Abfragen, Geschwindigkeit und eine eingängige Darstellungsform im Vordergrund. Dabei muss eine Business-Intelligence-Anwendung gar nicht explizit als solche erkennbar sein. Gute BI-Funktionalität kann auch eingebettet sein in ERP-Systeme, Webseiten oder Kollaborationsplattformen wie SharePoint. Das gängigste aller BI-Werkzeuge ist selbstverständlich Excel – selbst wenn kein Data Warehouse oder Data Mart darunter liegt. Doch was dem einzelnen Anwender durchaus Nutzen stiftet, kann für Unternehmen in einem Wildwuchs an Daten und Berichten und fehlender Transparenz ausarten. Oft wird Excel auch dazu missbraucht, fehlende Funktionalität von Standardplattformen auszugleichen, indem regelrecht losgelöste Anwendungen damit erstellt werden.


Worauf muss heute ein Anwender bei der Auswahl einer BI-Lösung achten?

Oberflächlich betrachtet sind Business-Intelligence-Lösungen für viele Anwender heute kaum mehr zu unterscheiden. Deshalb ist es wichtig, Auswahlkriterien zu definieren, die über die reine Funktionalität hinaus den individuellen Anforderungen entsprechen. Zentral ist beispielsweise die Frage, wie sich eine Lösung in die vorhandene IT-Architektur einpassen lässt. Hier geht es weniger darum, alles von einem Hersteller zu beziehen – schliesslich haben viele Anbieter ihre Lösungen selbst nur durch Unternehmenszukäufe erworben. Viel wichtiger ist es, dass sich die Komponenten ergänzen und eine sinnvolle Gesamtarchitektur ergeben. Doch die Einführung der besten Software kann an einem falschen Projekt-Setup scheitern. Deshalb sind neben Funktionalität und Architektur auch die Auswahl des Implementierungspartners, die Wahl der internen Projektmitglieder und die Unterstützung aus dem Management entscheidende Faktoren, die zum Gelingen eines Projekts beitragen.


Welche Hauptprobleme stellen Sie in Unternehmen bei der Umsetzung von BI-Lösungen fest?

Zentrale Erfolgsfaktoren sind für uns die richtige Zusammensetzung des Projektteams, genaue Definition der Vorgaben und Rückhalt durch das Management. Dauern Projekte länger oder führen sie nicht zu dem erwarteten Ergebnis, ist das meistens auf einen oder mehrere dieser Punkte zurückzuführen. In dieser Hinsicht unterstützen wir unsere Kunden deshalb bereits in der Vorprojektphase. Auch kommt es vor, dass sich Unternehmen bei der Auswahl ihrer BI-Lösung zu sehr auf oberflächliche Merkmale konzentriert haben und im Projekt selbst die Erwartungshaltungen auseinanderklaffen. Weil die damit verbundenen Investitionen beträchtlich waren, wird an solchen Entscheidungen oft über Jahre hinweg festgehalten, selbst wenn sich kein Nutzen einstellt. Hier frühzeitig gegenzusteuern, würde vielen Unternehmen große Geschwindigkeits- und Wettbewerbsvorteile verschaffen.


Welche Rolle spielt Cloud Computing für die Entwicklung von BI-Anwendungen und welche Anforderungen stellt dies an pmOne?

Aufgrund der Sensibilität der internen Daten war BI einer der letzten Bereiche, der auf breiter Basis vom Cloud-Trend erfasst worden ist. Nun ist es soweit: Alle grossen Anbieter haben entsprechende Angebote zu Cloud Computing, die auch den Sicherheitsbedürfnissen europäischer Kunden entsprechen. Insbesondere Microsoft ist hier mit SQL Azure und Office 365/SharePoint schon sehr weit. Bei pmOne haben wir uns frühzeitig mit den technischen und rechtlichen Implikationen auseinander gesetzt und ein entsprechendes Leistungsangebot erarbeitet. Wir können heute von einfachen Reporting-Lösungen über Enterprise-Data-Warehouse-Lösungen und Big-Data-Applikationen unter Verwendung von Hadoop-Clustern bis hin zu Konzernbilanzkonsolidierungen oder Planungslösungen mit Tagetik alles in der Cloud anbieten.


BI-Software wird auch von namhaften Anbietern mittlerweile als Open Source und kostenlos angeboten. Was ist Ihre Antwort auf diese Marktentwicklung?

Für die meisten Open Source-Anbieter bedeutet es eine große Herausforderung, ohne Lizenzerlöse eine langfristige und qualitativ hochwertige Produktentwicklung finanziell aufrechtzuerhalten. Im Laufe der Zeit ändern deshalb viele Hersteller ihr Geschäftsmodell oder bieten unterschiedliche Funktionalitäts- und Leistungsniveaus an. Open Source ist auch nicht zwingend kostenlos. Schlussendlich muss jedes Unternehmen für sich selbst entscheiden, ob Open Source in Frage kommt. Ein BI-Teilbereich, in dem sich Open Source auf breiter Front durchzusetzen scheint und auch auf große Akzeptanz stösst, sind Big-Data-Applikationen mit Hadoop. Das Open-Source-Framework Hadoop basiert auf dem MapReduce-Algorithmus von Google und ermöglicht es, intensive Rechenprozesse mit grossen Datenmengen auf Computerclustern durchzuführen.


In vielen Unternehmen spielt Excel für die Aufbereitung von Daten und Berichten eine grosse Rolle. Ist es im Zeitalter von Big Data immer noch richtig, auf Excel zu setzen und welche Lösungen kann pmOne hierfür bieten?

Über vierhundert Millionen Nutzer können nicht irren. Excel passt auch im Big Data-Kontext und eignet sich bestens, um Berichte in BI-Architekturen aufzubereiten und auszuwerten – insbesondere im Zusammenhang mit Microsoft Parallel Data Warehouse, Microsofts Appliance für Massive Parallel Processing-Anwendungen, unter Verwendung von Hadoop, Microsofts erstem Ausflug in die Open-Source-Welt.


Mit cMORE bieten Sie eine eigene BI-Lösung. Welche Vorteile hat der Kunde dadurch?

Die cMORE-Produkte von pmOne ergänzen das Microsoft BI-Portfolio hinsichtlich Modellierung und Reporting. cMORE Modelling ermöglicht einerseits einen bidirektionalen Modellierungsansatz, der die fachliche Sicht ins Zentrum stellt und sich auch funktional an Fachpersonal wendet. Von der Konzeption bis zum Go-live werden Anwender durch den gesamten Prozess geleitet und darin unterstützt, fachliche Anforderungen und technische Realisierung optimal aufeinander abzustimmen. Andererseits bietet cMORE Modelling die Möglichkeit, eine Dual-Vendor-Strategie mit Microsoft und SAP umzusetzen, weil es damit gelingt, Microsoft BI-Produkte bestmöglich mit SAP zu verbinden.

cMORE Reporting erleichtert Standard- und Ad- hoc-Reporting, indem die vorhandene Software-Infrastruktur wie Microsoft Excel und SharePoint genutzt und intelligent erweitert wird. Dadurch verringert sich der Einführungs- und Schulungsaufwand. Heutige Anforderungen der Fachanwender nach mehr Eigenständigkeit bei der Berichtserstellung und -verteilung – Stichwort Self-Service BI – werden in einer innovativen Benutzeroberfläche realisiert. cMORE umfasst auch einen «Buchbinder» für das Standardreporting, der aus SAP und anderen Vorsystemen automatisch komplette Berichtsbücher erstellt. Diese werden für unterschiedliche Nutzer und Gruppen, beispielsweise entsprechend ihren Berechtigungen, automatisch personalisiert. Je nach Anforderung der Empfänger können Berichte auf Papier, elektronisch oder live auf einem Tablet bereitgestellt werden. Konzeptionell orientiert sich cMORE an den Prinzipien des «Information Design», bei denen es um die unternehmensweite Standardisierung des Reporting nach wissenschaftlich abgesicherten Grundsätzen geht.


Applikationen für Reporting sowie Dashboards mit Zugriff via Smartphone und Tablet PC sind gefragt. Wie sehen Sie hier die Entwicklung und was können Kunden von pmOne in Zukunft hier erwarten?

Für klassische Dashboarding-Anwendungen setzen wir ergänzend Lösungen von Roambi ein. Auf innovative Art richtet sich cMORE von pmOne auch an mobile Anwender, die per Windows 8 oder iPad App aktive Berichtsbücher im Abonnement-Verfahren lokal konsumieren und somit intuitiv auf komplette Managementreporting-Anwendungen zugreifen können.

Dieser Beitrag ist erschienen in "Professional Computing". Weitere Informationen unter www.professional-computing.ch