Fokus Konzernkonsolidierung/Teil 2: Neue Regeln und Vorschriften in der Konzernrechnungslegung

Welche Fallstricke gilt es bei der neuen IFRS-Reform zu beachten? Worin liegen die Vorteile einer Matrixkonsolidierung? Nachdem es im ersten Teil unserer kleinen Serie zur Konzernkonsolidierung um Standards in der Konzernrechnungslegung ging, steigen wir nun thematisch tiefer in das Thema ein. Den passenden Fachmann für Fragen zu den neuen IFRS-Regelungen haben wir in Dr. Johannes Wirth gefunden. Internationale Konzernrechnungslegung ist einer seiner Schwerpunkte, mit denen er sich als Assistent von Prof. Dr. Karlheinz Küting am Institut für Wirtschaftsprüfung an der Universität des Saarlandes beschäftigt.

pmOne: Welche neuen Regeln und Vorschriften sind bei der Konzernrechnungslegung zu beachten, wenn es um den konsolidierten Konzernabschluss für das Geschäftsjahr 2013 geht?

Dr. Johannes Wirth: Kam es mit der Umsetzung des sog. Business Combinations Projects Phase II im Jahre 2008 zu einer großen Reform der IFRS-Konzernrechnungslegung, steht mit dem „Konsolidierungspaket IFRS 10 bis 12“ eine weitere große Reform vor der Tür. Mit IFRS 10 wird der Control-Begriff vollkommen neu definiert und führt zu einer Neubeurteilung des Konsolidierungskreises. Durch die deutlich stärkere wirtschaftliche Betrachtungsweise des Standards wird die Beurteilung von Teileinheiten unterhalb der 100%-Beteiligung deutlich aufwendiger. Ein besonderes Augenmerk gilt Unternehmensverbindungen, die nicht mit einer Beteiligung untermauert sind. Gemeint sind beispielsweise Lieferantenbeziehungen, die von Bürgschaften und/oder Darlehensbeziehungen flankiert werden. Gerade in diesem Bereich können signifikante Änderungen des Konsolidierungskreises im Vergleich zur bisherigen Vorgehensweise resultieren. Über diesen Themenbereich werde ich übrigens auch auf der nächsten „Art of Consolidation“-Veranstaltung der pmOne referieren.

Ferner wird mit IFRS 11 die Bilanzierung von gemeinschaftlich geführten Aktivitäten auf eine neue Basis gestellt. Hierfür sind im Zeitpunkt der Umstellung bzw. genauer zu Beginn der im Konzernabschluss abzubildenden Vergleichsperiode vorhandenen gemeinschaftlichen Aktivitäten gemäß den Regelungen von IFRS 11 in joint operations und joint ventures zu klassifizieren. Joint ventures sind zwingend nach der Equity-Methode gem. IAS 28 zu bilanzieren. Joint operations werden quotal konsolidiert, wobei die hierbei anzuwendende Technik für Konsolidierung in weiten Bereichen unklar ist. Weit schlimmer: Durch die schwammigen bzw. fehlenden Vorgaben ist der Standard in diesem Bereich praxisuntauglich.

Ein besonderes Augenmerk ist auch auf IFRS 12 zu richten, der die ohnehin sehr umfangreichen Angabepflichten im Kontext von Tochtergesellschaften, Gemeinschaftsunternehmen und assoziierten Unternehmen sowie nicht konsolidierten Zweckgesellschaften („strukturierte Unternehmen”) noch weiter ausdehnt.

pmOne: Sie haben jüngst einen Beitrag zum Thema Matrixkonsolidierung veröffentlicht. Das Wort „Matrix“ lässt vermuten, dass Dinge mehrfach konsolidiert werden. Reicht nicht eine einzige Konsolidierung? Welche Unternehmen betrifft dieses Thema überhaupt?

Dr. Johannes Wirth: Das Konzept dieses integrierten Konsolidierungsansatzes basiert auf einem einheitlichen „Datentopf“, aus dem sowohl die legale Abschlusserstellung als auch die Managementkonsolidierung gespeist wird. Hierdurch ist sichergestellt, dass konsolidierte Unternehmensinformationen nicht nur für den Konzern aus rechtlicher Sicht, sondern auch aus der Sicht seiner Wertschöpfungsprozesse zur Verfügung gestellt werden können und somit diese beiden Sichtweisen konsistent verzahnt und überleitbar sind. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Vermögenswerte und Schulden, aber auch die Aufwendungen und Erträge werden nicht ausschließlich auf Basis der rechtlichen Mäntel gemeldet, sondern es wird unmittelbar die Zuordnung auf die Geschäftsfelder berücksichtigt. Der Dreh- und Angelpunkt einer Matrixkonsolidierung ist die Analyse der Verbundbeziehungen. Von besonderer Bedeutung ist hierbei die Klärung der Frage, in welchem Umfang die IC-Beziehungen geschäftsbereichsgenau mit einer Partnerkontierung versorgt werden können. Liegen die Verbundinformationen sowohl aus dem Blickwinkel der legalen Sicht als auch aus dem der Geschäftsbereiche vor, kann die Konsolidierung in einem Schritt gestartet und nachfolgend beide Sichten ausgewertet werden. Sie merken schon, eine mehrfache Konsolidierung ist nicht notwendig.

Zu Ihrer Frage, welche Konzerne sich mit dem Thema Matrixkonsolidierung beschäftigen sollten: Das Thema ist für alle Konzerne relevant, die neben der legalen Konsolidierung für Steuerungszwecke auch konsolidierte Unternehmenszahlen verwenden. Es ist insofern nicht nur ein Thema der IFRS-Bilanzierer.

Mehr zum Thema Konzernkonsolidierung erfahren Sie in unserer Reihe "The Art of Consolidation". Die Veranstaltung, die vom 22. Oktober bis 26. November in sechs verschiedenen Städten im deutschsprachigen Raum stattfindet, ist von und für Konsolidierer konzipiert und richtet sich an Verantwortliche für das Konzernrechnungswesen, Group Controlling und IT.