Herausforderung Integriertes Reporting

Höhere Berichtsqualität, zielgerichtete Kommunikation und ein besseres Gesamtverständnis über Einflussfaktoren und ihre Wirkungsweise in Unternehmen… – die Vorteile des Integrierten Report-ing leuchten schnell ein. Doch jeder, der schon mal an der Erstellung eines Geschäftsberichts mit-gewirkt hat, weiß um die Komplexität eines solchen Prozesses. Und das Integrierte Reporting geht, was beispielsweise die Granularität und Verknüpfung von Informationen oder auch die Anzahl der Beteiligten anbelangt, noch darüber hinaus. Im Blog-Beitrag von Dr. Karsten Oehler geht es darum, was es zu bedenken gilt und wie es dennoch gelingen kann, dieses Konzept im Unternehmen zu verankern.

Das Konzept des Integrierten Reporting findet immer mehr Anhänger. Was genau ist damit gemeint? Beim Integrierten Reporting umfasst die öffentliche Berichterstattung nicht nur die klassische finanzielle Sphäre, sondern darüber hinausreichend wichtige Bereiche wie die Darstellung der Strategie, des Geschäftsmodells, der Chancen und Risiken und der Nachhaltigkeit. Viele Unternehmen berichten bereits auf freiwilliger Basis über diese Themen. Eine Herausforderung ist es allerdings, dass sie dies höchst unterschiedlich bewerkstelligen und dabei auch abweichend granular berichten. Hier könnte ein Standard helfen, denn die Vergleichbarkeit leidet doch stark unter der Gestaltungsfreiheit.

Und genau das ist der Anspruch des Integrated Reporting Councils, eines weltweiten Zusammenschlusses mehrerer Standardisierungsgremien (unter anderem IASB, GRI), verschiedener Wirtschafsprüfungsgesellschaften und zahlreicher Großunternehmen. Hierzu ist Anfang des Jahres ein lesenswertes Whitepaper, das Integrated Reporting Framework erschienen. Der Zuspruch, einen Standard zu etablieren, ist hoch – über 140 Unternehmen beteiligen sich an einer Pilotphase, die 2015 abgeschlossen sein soll. Auch die Anzahl der Publikationen, die dieses Thema behandeln, ist durchaus signifikant.

 

Verschiebung der Schwerpunkte

Was ändert sich für Unternehmen, die sich mit dem Konzept des Integrierten Reporting anfreunden können? Zunächst einmal kann die bestehende Infrastruktur für den Geschäftsbericht genutzt werden, denn zahlreiche Informationen kommen schließlich aus dem Rechnungswesen. Einige, hauptsächlich qualitative Informationen sind bislang in den Lagebericht eingeflossen. Hier besteht der große Unterschied: Der Lagebericht wird beim Integrierten Reporting in viele Teilbereiche strukturiert und wesentlich detaillierter beschrieben. Die finanzielle Performance, also der klassische Schwerpunkt, ist nur noch einer von insgesamt sieben Hauptbereichen.

Im Zuge dessen steigt der Umfang der zu integrierenden Daten – und damit auch zwangsläufig die Anzahl der zuliefernden Abteilungen. War die Erstellung des Geschäftsberichts bislang ein aufwändiger und vor allen Dingen zeitkritischer Prozess, kommt nun noch ein deutlich höherer Koordinationsaufwand hinzu. Als besonders anspruchsvoll erweist sich beim Framework die Integration der Teilbereiche. Denn es ist nicht damit getan, den Geschäftsbericht, den Nachhaltigkeitsbericht, den Corporate Governance-Bericht und andere Veröffentlichungen in einem zentralen Bericht zusammenzufassen. Eine solche Vorgehensweise entspricht nicht den Vorstellungen eines integrierten Berichtswesens. Vielmehr gilt es, die für das Gesamtverständnis wichtigen Informationen miteinander zu verknüpfen. Idealerweise sollten zum Beispiel Umweltkennzahlen im Kontext der finanziellen Zahlen dargestellt werden. Auch die Nachhaltigkeitsstrategie mit den entsprechenden Maßnahmen sollte in die Gesamtstrategie integriert werden. Das sind lediglich zwei Beispiele von den vielfältig zu berücksichtigenden Verknüpfungen.

 

Möglichkeiten einer systemseitigen Unterstützung

Inwiefern lässt sich das komplexe Procedere systemseitig unterstützen? Beim Stichwort „Integration“ kommt einem natürlich sofort ein Data Warehouse in den Sinn. Dies kann zwar helfen, unterstützt den Erstellungsprozess jedoch nur geringfügig:

  • Bei der Realisierung des Integrierten Reporting steuern viele Abteilungen Zahlen, aber auch verbale Ausführungen bei. Es werden Einschätzungen verfasst, die von anderen Bereichen quergecheckt werden sollten. Um diesen zeitkritischen Prozess kontrollieren zu können, ist es wichtig, einen Workflow mit Freigaben und Status zu hinterlegen.
  • Zahlreiche Informationen werden in Nebenrechnungen erstellt und sind vom Umfang her so gering, dass der Aufwand einer Data Warehouse-Integration in keinem Verhältnis zum Integrationsmehrwert steht. Kleine Erfassungsmasken, möglichst mit Office-Werkzeugen, reichen in der Regel völlig aus.
  • Eine erste Datenvalidierung kann sicherlich in einem Warehouse vorgenommen werden. Allerdings ist davon auszugehen, dass ein integrierter Bericht im Dokument zahlreiche Mehrfachverwendungen von Zahlen aufweist. Eine systemseitige Unterstützung sollte insofern in der Lage sein, auch einzelne Text-Referenzen validieren zu können.
  • Weil sich die integrierten Berichte über die Zeit nicht so stark ändern, ist es sinnvoll, auf wiederverwendbare Module zurückzugreifen. Dadurch verbessert sich die Vergleichbarkeit. Dies gilt auch für Konzerne, in denen Standards für die Bereiche oder Tochtergesellschaften vorgegeben werden. Das Prinzip der Wiederverwendbarkeit bezieht sich dabei nicht nur auf Strukturen, Corporate Layout oder Textbausteine, sondern auch auf Berichtsblöcke, die automatisch mit den für die jeweilige Periode aktuellen Zahlen versehen werden.
  • Der Schulungsaufwand für das genutzte System sollte minimal sein, schließlich muss eine große Anzahl von Beitragenden damit arbeiten können. Idealerweise ist das zentrale Medium eine gängige Office-Textverarbeitung, die um Berichtsfunktionen ergänzt wird.

Angesichts dieser Überlegungen kann ein Data Warehouse zwar als Grundlage dienen. Um jedoch den gestiegenen Erstellungsaufwand zu kompensieren, ist es empfehlenswert, eine darüber hinausreichende Systemunterstützung in Anspruch zu nehmen. Die damit verbundenen Anforderungen sind nicht neu – schließlich ist bereits die Erstellung eines klassischen Geschäftsberichts eine sportliche Herausforderung für alle Beteiligten. Von daher sind seit geraumer Zeit spezialisierte Werkzeuge auf dem Markt, die mit ihren besonderen Funktionen das „Collaborative Disclosure Management“ adressieren.

Den Collaborative Disclosure-Prozess effizient managen

Tagetik hat ein entsprechendes Werkzeug entwickelt und angesichts der hohen Integrationsanforderungen einen besonderen Ansatz gewählt: Tagetik Collaborative Disclosure Management setzt auf eine einheitliche Plattform für Corporate Performance Management. Das bedeutet, Planung, Forecasting, Budgetierung, Konsolidierung, Risikomanagement und (quantitatives) Reporting werden auf Basis einheitlicher Strukturen und gemeinsamer Daten ausgeführt. Dadurch steht für das Integrierte Reporting bereits ein Großteil der benötigten quantitativen Informationen bereit. Neben den Abschlussdaten (einschließlich der Anhangsinformationen) sind die wesentlichen Planungs- und Forecastinformationen sowie weitere Kennzahlen unmittelbar im Integrierten Reporting verfügbar. Leicht lassen sich auch Kennzahlen zur Nachhaltigkeit integrieren.

Bei der Arbeitsumgebung greift die Lösung auf das bewährte Microsoft Word zurück, das um spezielle Kollaborationsfunktionen erweitert worden ist. Ein Workflow sorgt dafür, Werte aus der CPM-Plattform mit Textelementen zu verknüpfen und in Word zusammenzuführen. Über beliebige Ausgabefunktionen (auch XBRL) kann das Dokument dann transportiert werden.

Damit ausgerüstet gelingt es, selbst hochkomplexe Berichtserstellungsprozesse wie das Integrierte Reporting so zu administrieren, dass trotz gestiegener Anforderungen die Qualität erhöht und der Aufwand begrenzt werden können.

Prof. Dr. Karsten Oehler

Vice President CPM Solutions

pmOne AG

Gilt nach über 20 Jahren als Produktmanager und Berater für Controlling-Software in verschiedenen namhaften Unternehmen als ausgewiesener Experte für Performance Management Lösungen am deutschsprachigen Markt; ist Dozent für Rechnungswesen und Controlling an der Provadis School of International Management and Technology AG.

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