Konsolidierungsmethoden im „Do it yourself“-Verfahren – kann das gut gehen?

Wie viel Flexibilität tut gut im Konsolidierungsumfeld? Dr. Karsten Oehler erläutert in seinem Beitrag, warum er „Do it yourself“-Angeboten von Anbietern kritisch gegenüber steht und wie es dennoch zu bewerkstelligen ist, mit einer flexiblen Software den unterschiedlichen Bedürfnissen von Rechnungswesen und Controlling Herr zu werden.

Die Konsolidierung von Unternehmen aus legaler Sicht ist kein neues Thema. Natürlich ändern sich die Rahmenbedingungen durch neue gesetzliche Regelungen und insbesondere durch IFRS regelmäßig, allerdings doch mit einem gewissen Vorlauf, so dass man eigentlich nicht von einem hochdynamischen Umfeld sprechen kann. Die Techniken der Konsolidierung gelten zudem als etabliert: Methoden zur Kapital-Konsolidierung, Schulden-, Aufwands-/Ertrags- und Zwischengewinneliminierung, latente Steuerermittlung lassen sich in jedem guten Lehrbuch nachvollziehen und sind dementsprechend gut zu implementieren.

So weit, so gut. Und schaut man sich den Markt für Konsolidierungssoftware an, unterstützen die einschlägigen Anbieter die erwähnten Methoden auch mehr oder weniger. Was allerdings erstaunt, ist die Tatsache, dass häufig nicht ausprogrammierte Lösungen, sondern eher Werkzeugkästen im „Do it yourself“-Verfahren angeboten werden. Das sind Verfahrensbeschreibungen in Form von Programmen und Datenbanktabellen, die komplett offenliegen. Natürlich wird der Kunde nicht allein gelassen, der Anbieter oder seine Partnerfirmen bieten hier sogenannte „Starterkits“ an.

Aber ist das wirklich sinnvoll? Anbieter argumentieren mit der höheren Flexibilität und schneller Anpassbarkeit. Das Argument klingt erst mal verlockend, man verbaut sich schließlich nichts. Und Flexibilität klingt ja immer positiv. Allerdings würde ich mir diese Diskussion eher im Konzerncontrolling wünschen. Denn hier ist Flexibilität deutlich sinnvoller. Man nehme nur das Thema mehrdimensionale Konzerndeckungsbeiträge bei Konzernlieferketten. Hier sind wirklich flexible Werkzeuge gefragt.

Zwar ist Flexibilität auch im legalen Kontext wichtig. Allerdings steht hier eher der Anbieter in der Pflicht, sein System auf den aktuellen Stand der gesetzlichen Anforderungen zu bringen. Im ERP-Bereich, beispielsweise bei der Personalabrechnung, steht diese Zuständigkeit außer Frage. Warum also wird darüber noch bei Konsolidierungswerkzeugen diskutiert?

Die Diskussion gewinnt an Bedeutung, wenn Werkzeuge für die Konsolidierung zum Zuge kommen, die ursprünglich für die Management-Konsolidierung eingesetzt wurden und sukzessive legale Aufgaben übernehmen sollten. Diese Hybride sollen beide Welten verbinden. Konsolidiert werden muss schließlich auch im internen Konzernrechnungswesen. Die Idee ist durchaus begrüßenswert, allerdings nur sehr schwer umsetzbar:

  • Komplexe Konsolidierungsmethoden lassen sich häufig nur sehr aufwändig aufsetzen, zum Teil gibt es dafür eigenständige Konsolidierungssprachen mit mehreren tausend Programmier-Zeilen. Auch wenn der Hersteller diese Routinen testet, ist der Kunde bei der Modifikation solcher Routinen selbst für die ordnungsgemäße Modifikation verantwortlich.
  • Eine Management-Konsolidierung erfordert granularere Informationen als die legale Konsolidierung. Konsolidierungsmethoden werden deutlich komplexer, insbesondere wenn eine Eliminierung über mehrere Dimensionen (wie beispielsweise bei der Segmentkonsolidierung) erforderlich ist.
  • Das Aufsetzen solcher Routinen erfordert gleichermaßen ein hohes technisches und fachliches Wissen. In der Regel ist man auf spezialisierte Berater angewiesen.
  • Die Wartung solcher Scripts erweist sich als problematisch. Schließlich muss dessen gesamte Funktionsweise neu getestet werden.

Gerade bei Konsolidierungsmethoden, die auf legale Sachverhalte anzuwendenden sind, ist deshalb von einer auf Kodierung basierenden Vorgehensweise abzuraten.

Anbieter, die gleichermaßen Konzerncontrolling (einschließlich Planung, Forecasting und Budgetierung) und den legalen Konzernabschluss in einem System auf der gleichen Datenbasis unterstützen, sind eher selten. Tagetik als relativ junger Anbieter in diesem Segment hat gezeigt, dass es durchaus möglich ist, beide Welten zu verbinden und trotzdem die Konsolidierungsmethoden zu kapseln: Die etablierten Konsolidierungsmethoden werden fest implementiert und lassen sich über Parameter ausreichend flexibel gestalten. Damit ist es möglich, die Methoden von der Entwicklungsabteilung des Herstellers um legale Änderungen zu erweitern, ohne dass die Kundeninstallation in Gefahr gerät.

Wie sieht es hingegen mit der Verwendbarkeit der Konsolidierungsmethoden im internen Rechnungswesen aus? Das steht und fällt mit der Architektur: Wenn die rein legale Berichterstattung im Vordergrund steht, mangelt es häufig an der fehlenden Dimensionalität. Auch Planungsfunktionalitäten, wie sie im Konzerncontrolling verwendet werden, gehen deutlich über reine Eingabemasken hinaus. Insofern muss ein solches System schon von Beginn an für interne und legale Anforderungen konzipiert werden. Dies ist von Tagetik direkt im Design berücksichtigt worden:

  • Zusätzliche Dimensionen erlauben es, auch den Anforderungen des Konzern-Controllings gerecht zu werden. Dabei ist zudem eine Eliminierung in den Zusatzdimensionen möglich.
  • Alle (fest implementierten) Konsolidierungsmethoden erlauben die Verwendung der Zusatzdimensionen. Die relevanten Masken passen sich dynamisch an die zusätzlichen Dimensionen an.
  • Die Erfassungsmasken, die insbesondere auch auf die Erfassung von Spiegeln und Intercompany-Beziehungen ausgerichtet sind, wurden um zahlreiche Planungsfunktionen (z.B. Top-Down-Verteilung, Wertetreiber-Abhängigkeiten etc.) ergänzt.

Unter Beibehaltung der spezifischen Parametrisierung ist es auf diese Weise möglich, dieselben Konsolidierungsmethoden sowohl für das Konzerncontrolling als auch für die legale Konsolidierung zu verwenden.

Prof. Dr. Karsten Oehler

Vice President CPM Solutions

pmOne AG

Gilt nach über 20 Jahren als Produktmanager und Berater für Controlling-Software in verschiedenen namhaften Unternehmen als ausgewiesener Experte für Performance Management Lösungen am deutschsprachigen Markt; ist Dozent für Rechnungswesen und Controlling an der Provadis School of International Management and Technology AG.

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