Beschleuniger und Hemmnisse der Business Intelligence Cloud

Für Business Intelligence-Systeme verspricht Cloud Computing laut Promovend Norman Bernhardt vor allem eine Erhöhung der Flexibilität, Hemmnisse sind hingegen Organisation und Datentransfer.

Die Optimierung der Steuerbarkeit von Unternehmen durch moderne, zukunftstaugliche Technologien stellt eine der zentralen Herausforderungen an das Management dar. Die in diesem Zusammenhang relevanten Business Intelligence (BI) - Lösungen müssen sich heutzutage an Kriterien wie Usability, Skalierbarkeit, Performance, Umsetzungsgeschwindigkeit und Total Cost of Ownership messen lassen. Insbesondere letzteres verleiht dem Ansatz des Betriebs der BI-Plattform in der Cloud eine hohe Attraktivität. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, werden sich Unternehmen mittelfristig mit dem Thema Cloud Computing (CC) beschäftigen müssen.

Die konkrete Definition einer BI-Cloud kann nun, in Anlehnung an die Gartner-Definition des CC, wie folgt beschrieben werden: „Unter einer BI-Cloud ist eine IT-Architektur zu verstehen, die es zum Zwecke hat, analytische Funktionalitäten als skalierbare Dienste unter dem Modell nutzungsorientierter Abrechnung über das Internet zur Verfügung zu stellen.“

Vor diesem Hintergrund sollen im nachfolgenden Beitrag die wichtigsten Beschleuniger und Hemmnisse diskutiert werden, welche den Weg von BI-Lösungen in die Cloud flankieren. Zur Abgrenzung sei festgehalten, dass der Beitrag sich vorrangig mit bestehenden On Premise BI-Lösungen beschäftigt, deren Betrieb auf eine CC-Plattform migriert werden soll. Das Angebot einer dezidiert BI-Applikation als „Software as a Service“, sowie das vollumfängliche Outsourcing eines BI-Lebenszyklus stehen nicht im Fokus.

 

Professionalität und Flexibilität gelten als Beschleuniger

Beschleuniger: Kosten

Der wohl mit einem sehr hohen Verbesserungspotential assoziierte Faktor bei der Abwägung bzgl. der Betriebsform einer IT-Lösung ist der Bereich der Kosten. Auch wenn mit den im Zuge dieses Artikels skizzierten Positivpunkten partiell deutlichere Vorteile erzielbar sind, lassen sich Kosten im Rahmen eines Business Cases am leichtesten messen/prognostizieren und eignen sich somit gut für die Entscheidungsfindung.

Neben dem erwartet niedrigeren TCO, fällt vor allem eine geringere Kapitalbindung durch den Wechsel des Kauf- auf ein Mietmodell für Software ins betriebswirtschaftliche Gewicht. Die damit einhergehende veränderte Pricing Policy, bei der nutzungsorientiert abgerechnet wird, verhindert Über- bzw. Unterlizenzierung und erleichtert somit auch das Lizenzmanagement.

Beschleuniger: Flexibilität

Ein Cloud-basiertes und Serviceorientiertes Bezugsmodell für BI-Lösungen ermöglicht dem Unternehmen ein wesentlich besseres „Atmen“. Speziell über die elastische Skalierbarkeit der zugrundeliegenden Infrastrukturressourcen in der Cloud wird ein bedarfsorientierter Leistungsbezug (z.B. für das Abfedern von Lastspitzen) möglich, und unnötige Vorratskapazitäten im Unternehmen werden vermieden. Die Nutzung der unternehmenseigenen IT-Infrastruktur kann wesentlich effizienter erfolgen. Letztendlich spielt bei der Betrachtung der notwendigen IT-Flexibilität auch die Zukunftsprognose der Forschungsinstitute bzgl. Entwicklung der zu verarbeitenden Datenmengen (Big Data Trend) eine zentrale Rolle.

Beschleuniger: Business-Fokussierung

Die generelle Ausgestaltung der IT-Architektur bleibt weiterhin ein wichtiges Aufgabenfeld der Unternehmens-IT. Der operative Betrieb von BI-Lösungen durch einen externen Cloud-Dienstleister ermöglicht jedoch eine fokussiertere Konzentration auf die wesentlichen Steuerungsfaktoren des Unternehmens, bei gleichzeitiger Verlagerung von Risiken zum Dienstleister. Vor allem die Ausrichtung der IT-Services an konkreten Fachbereichsanforderungen kann vom dem Weg in die Cloud profitieren.

Der Cloud-typische Ansatz von Offenheit und Interoperabilität vermag besonders analytischen Anwendungen aus dem BI-Bereich weitere Vorteile zu bringen. Standardisierung von System-Schnittstellen und die Ausprägung neuer Angebote (z.B. Data Markets) ermöglichen bessere Anbindungen an zusätzliche Datenquellen. Neue Analytische Kontexte können durch die sofortige Verfügbarkeit von Infrastrukturen schneller bzgl. Nutzen und Realisierbarkeit bewertet werden. Die Time to Market verringert sich und ein ggf. sprunghaft ansteigendes Nutzungsverhalten neuer Lösungen wird durch Cloud-Infrastrukturen optimal abgedeckt.

Beschleuniger: Professionalitätsgrad

Vom professionellen Betrieb einer IT-Lösung durch einen Cloud-Provider kann die Lösung allgemein profitieren hinsichtlich Grundsicherheit (Virenschutz, Firewall, DoS-Attacken, etc.), Berechtigungskonzepten, allgemeinen Standards, Basissoftware-Aktualität, Backup- und Desasterszenarien, und Weitere. Speziell mit dem Fokus auf BI kann allein der Prozess der Migration von on Premise in die Cloud zu strukturierteren Prozessen, erhöhter Datenqualität und einer verbesserten Compliance führen.

Aufgrund der Komplexität bei Cloud-übergreifenden Prozessen ist zu erwarten, dass eine stärkere Nutzung von homogenen und durchgängigen Plattformen aus dem Portfolio eines einzelnen BI-Anbieters stattfinden wird, und somit auch Inkompatibilitätsprobleme zwischen den Bestandteilen einer BI-Lösung minimiert werden.

Beschleuniger: Zukunftsfähigkeit

Grundsätzlich stellt sich die Frage, inwieweit zukünftige und komplexer werdende technologische Neuerungen (Parallel Data Warehouse Lösungen, Abbildung von Realtime/Operational BI, Verarbeitung von Datenmengen im Petabyte-Bereich, Verarbeitung unstrukturierter Daten, Data Mining, Mobile BI, etc.) noch ohne eine Adaption an die Cloud möglich sind, zumal der damit verbundene Aufwand die unternehmensinterne Leistungsfähigkeit bereits heute teilweise an Grenzen stoßen lässt.

Ein weiterer Vorteil von BI aus der Cloud ist der Zugriff auf die jeweils aktuellsten Softwarestände. Dieser birgt zwar auf der einen Seite neue Risiken (Ein intern gesteuerter Releasewechselprozess bewahrt den Endanwender unter Umständen vor geänderten Softwareprozessen und –Funktionen), auf der anderen Seite ermöglicht er aber auch die frühzeitige Evaluierung neuer Geschäftspotentialträchtiger Möglichkeiten.

Nicht zuletzt muss die Betrachtung der Zukunftsfähigkeit eine der grundlegenden Eigenschaften des CC berücksichtigen, die Möglichkeit des ortsunabhängigen Zugriffs auf IT-Lösungen. Wenn der BI-Anbieter Themen wie Offline-Datenzugriff befriedigend abbildet, eröffnet sich eine neue Qualität der Anwenderfreundlichkeit. Gerade verteilte Prozesse, wie eine konzernübergreifende Konsolidierung, werden dadurch optimal unterstützt.

 

Organisation und Sicherheit gelten als Hemmnisse

Hemmnis: Organisation

Die Verlagerung des BI-Betriebs in die Cloud verlangt vor allem von der Unternehmens-IT eine teilweise Neuausrichtung ab. Neben der Entwicklung neuer sicherer Schnittstellen und erweiterter Monitoringmöglichkeiten auf der technischen Ebene, entstehen gänzlich neue Aufgabenbereiche (z.B. Verhandlung und Management von SLAs) bzw. andere verändern sich stark (z.B. Entwicklung und Etablierung von Freigabe- und Releaseprozessen). Eine Wandlung von Rollen sowie die Verlagerung von Mitarbeiterkompetenzen sind die Folge. Für das IT-Management bedeutet das besonders dynamische BI-Geschäft die Notwendigkeit einer intensiven Pflege der Beziehung zum Cloud-Partner, ohne sich dabei dem Risiko eines Vendor-Lockin auszusetzen.

Hemmnis: Datenvolumen

Wenn auch der unter dem Schlagwort „Big Data“ aktuell diskutierte Bedarf an der Verarbeitung rasant wachsender unstrukturierter Datenbestände, auf klassische BI-Lösungen eher nicht zutrifft, ist entsprechend auch hier ein exponentielles Wachstum der Datenmengen zu verzeichnen. Vor allem der zumeist tägliche Transfer der Daten in die Cloud erfordert ggf. ein Umdenken in der Architektur der gesamten BI-Lösung. Ein detailtiefes Reporting auf relationalen Daten oder die Einbindung der BI-Lösung in operative Systeme sind im Hinblick auf die Abfrageperformance tendenziell ungeeignete Kandidaten für die Abbildung in der Cloud. Der Transfer und die Abfrage von Daten in bzw. aus der BI-Cloud verlangt entsprechend eine detaillierte Vorab-Auseinandersetzung mit den architektonischen Möglichkeiten, sowie der Absicherung entsprechender Leistungsparameter als SLA mit dem Cloud-Provider.

Hemmnis: Sicherheit

Das Thema Sicherheit ist eines der meistdiskutierten im Zusammenhang mit Cloud Computing. Anbieter setzen von daher einen besonderen Fokus hierauf, und stellen mit vorhandenen Gesetzesgrundlagen (Bundesdatenschutzgesetz), Zertifizierungen und Standards (ISO 9001, ISO 27001, SAS70, SSAE 16, etc.) sowie mit sich etablierenden Richtlinien zunehmend professionelle Basisprozesse und -infrastrukturen sicher. Dennoch gilt es, zum Zeitpunkt der vertraglichen Einigung mit dem Cloud-Provider, die sicherheitsrelevanten Rahmenbedingungen detailliert abzusichern, und ggf. auch eine garantierte Lage der Rechenzentren zu berücksichtigen (Stichworte sind hier z.B. „Safe Harbour-Abkommen“, „Patriot Act“, EU/EWR-Cloud).

Sicherheit im Hinblick auf eine BI-Cloudlösung umfasst nach Meinung des Autors nicht nur die offensichtlichen Aspekte Datenschutz und Datensicherheit, sondern ebenso Fragen der gewährleisteten Zugriffstabilität sowie nach der wirtschaftlichen Verfassung des Cloud-Providers. Eine Fallbacklösung als fester Bestandteil des Migrationskonzeptes ist ebenfalls ratsam. Diese sollte den Plan für die Rückkehr zu On Premise ebenso wie vertraglichen Regelungen mit dem Cloud-Provider zur Rückgabe der Daten beinhalten.

Hemmnis: Lösungsqualität

Aspekte welche im Hinblick auf die Qualität der Lösung relevant sind, lassen sich grobgranular in fachliche und technische untergliedern. Technisch gesehen spielt die geänderte Bezugsmethodik eine wesentliche Rolle. Es wirkt sich z.B. die Stabilität und Verlässlichkeit der Internet-Verbindung gleichermaßen auf die Qualität der angebotenen BI-Lösung aus, wie die Möglichkeit einer Offline-Verfügbarkeit von Daten. Auf die zunächst geringere Transparenz der Datenlagerung und -verarbeitung hat der Cloud-Provider mit entsprechenden Angeboten und die Unternehmens-IT mit architektonischen Anpassungen, sowie veränderten Monitoring-Mechanismen zu reagieren.

Aus der fachlichen Sicht kann der Endanwender mit den klassischen Problemen des Outsourcings in Berührung kommen. Neben den eventuell fehlenden Kenntnissen des Cloud-Providers im Bereich Business Intelligence/Data Warehousing könnte sich ein komplexeres Change Management auf die Entwicklungsgeschwindigkeit und Aktualität der Lösung negativ auswirken. Die steigende Dynamik bei der fachlichen Weiterentwicklung von BI-Lösungen sollte jedoch durch geänderte Deployment- und Betriebsszenarien weitestgehend unbeeinflusst bleiben.

Hemmnis: Migration

Die voranstehenden Absätze formulieren bereits einen Teil der Aspekte, die im Rahmen einer Migration in die BI-Cloud herausfordernd wirken. Diese reichen von der Prozessumstellung bis hin zur Veränderung von Mitarbeiterprofilen. Kostenseitig geht ein großer Anteil der Migrationskosten auf das Konto von Abstimmungs- und Entwicklungsaufwänden zur Umstellung der technischen Architekturen. Aus Sicht des Cloud-Providers lässt sich ein hohes Nutzenpotential erst heben, wenn dieser in der Lage ist, sein Angebot standardisiert an eine Vielzahl von Kunden zu offerieren. Je höher der damit einhergehende Grad der Automatisierung und Standardisierung ist, desto größer wird auch der Aufwand für Anpassungen durch den Kunden (Customizing).

Je nach Reife der BI-Lösung entsteht also ein entsprechend hoher Aufwand für den Transfer auf eine Cloud-Plattform, bei dem auch ein gesteigerter Bedarf an Beratungsunterstützung nicht außer Acht gelassen werden darf.

Fazit

Bei der Migration der BI-Landschaft eines Unternehmens auf Cloud Computing-Technologien bestehen eine Vielzahl Hindernisse. Die noch geringe Reife des Marktes und die damit einhergehende Heterogenität der Angebote erschweren die Situation zusätzlich. Neben den im Beitrag skizzierten Hemmnissen wird die evolutionäre Entwicklung von BI-Cloud Lösungen weitere Herausforderungen zu Tage fördern.

Im Gegenzug müssen neben einem bestehenden Einsparpotenzial vor allem Faktoren wie Flexibilitätserhöhung, Verringerung der Time-to-Market und Professionalisierung der Lösung auf die Waagschale der Positiva gelegt werden. Die Auseinandersetzung mit dem Thema Cloud Computing hat in den Unternehmen längst begonnen, und die rasant wachsenden Anforderungen in Punkto Datenmengen und Informationsverteilung machen perspektivisch auch Business Intelligence Lösungen zu ernsthaften Cloud-Kandidaten. Das Angebot an BI as a Service bzw. einer BI-Cloud wird zu einer höheren Standardisierung und einer weiteren Verringerung der Fertigungstiefe führen. Als positiver Nebeneffekt wird sich vermutlich der Reifegrad von BI in Unternehmen erhöhen und BI zunehmend auch den Markt der Klein- und Mittelständischen Unternehmen erobern. Gemäß dieser Sichtweise erscheint die Auseinandersetzung mit Potenzialen und Problembereichen der BI-Cloud zum aktuellen Zeitpunkt überaus sinnvoll und notwendig.

Dr. Norman Bernhardt

Head of Software Products & Strategy

pmOne AG

Dr. Norman Bernhardt berät als Director Mobility & Travel Industry am Berliner Standort der pmOne Group Kunden der unterschiedlichsten Branchen zum Themengebiet Cloud, Data Warehouse / Business Intelligence. Darüber hinaus beschäftigt er sich intensiv mit der Erforschung der Potentiale des Cloud Computing für das Anwendungsfeld Business Intelligence. Im Rahmen seiner Promotion an der Steinbeis Hochschule Berlin erarbeitet Dr. Norman Bernhardt ein Entscheidungsmodell für den Einsatz von Business-Intelligence-Lösungen auf der Basis von Cloud-Computing-Technologien.

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