Fokus Konzernkonsolidierung/Teil 1: Was sind die Standards in der Konzernrechnungslegung?

Konzernkonsolidierung ist ein Thema, das viele, auch nicht-börsennotierte Unternehmen bewegt. Wir haben Experten gebeten, unsere Fragen aus ihrem jeweiligen Blickwinkel zu beantworten. Den Auftakt macht Dr. Karsten Oehler, der als Spezialist für Performance Management Lösungen über einen hervorragenden Marktüberblick verfügt und als Berater seine Produktkenntnisse mit den Anforderungen der Unternehmen zusammenbringt. Er hilft uns, den Stellenwert der Konsolidierung im Unternehmen einzuordnen und zu klären, was moderne Konsolidierungssysteme leisten können. Zur Sprache kommen auch, welche Aspekte der Konsolidierung die Unternehmen aktuell bewegen und warum es sinnvoll ist, die Konsolidierungsaktivitäten mit anderen Aufgaben der Finanz- und Controllingabteilungen in Einklang zu bringen.

pmOne: Inwieweit ist das Thema Konsolidierung ein Teil von Corporate Performance Management? Sind die Vorschriften und die regulatorischen Anforderungen für die Konsolidierung nicht so komplex und speziell, dass eine Eigenständigkeit der Konsolidierung und damit der Systeme der Konsolidierung geradezu notwendig ist? 

Dr. Karsten Oehler: Der Gedanke der Eigenständigkeit ist zunächst naheliegend, da es sich bei der Konzernbuchhaltung um eine organisatorisch unabhängige Fachgruppe im Konzern handelt, die besondere Anforderungen an die Systemunterstützung und Nachvollziehbarkeit stellt. Aber im Rahmen der sinnvollen und notwendigen Harmonisierungsbestrebungen ist es mindestens genauso naheliegend, die Konsolidierungsaktivitäten mit der Management-Konsolidierung, der Konzernplanung und auch dem Konzernrisiko-Management zusammenzufassen. Hierfür sprechen folgende Gründe: Eine Abstimmbarkeit zwischen Management- und Konzernkonsolidierung sollte gegeben sein, um jederzeit zweckbezogene Abweichungen, also zum Beispiel kalkulatorische Bestandteile, erklären zu können. In der Plankonsolidierung wird zudem nahezu die gleiche technische Funktionalität benötigt. Es bietet sich an, auf den gleichen Strukturen und Basisdaten aufzusetzen, was den Wartungsaufwand minimiert. Getrennte Systeme bedeuten hier doppelten Implementierungsaufwand.

Jedes Unternehmen muss letztendlich selbst entscheiden, wie eng es die verschiedenen Kreise zusammenführt. Ein CPM-Konzept sollte hier keine künstliche Barriere legen, sondern dem Konzern die Möglichkeit geben, die Kreise zu trennen, oder wenn es gewünscht ist, die Funktionen eng zusammenzulegen.

 

pmOne: Täuscht der Eindruck, dass die Durchführung der Konsolidierung unabhängig vom Effizienzdruck ist, der für andere Aufgaben im Finanzbereich gilt? Manuelle Erfassung und halbautomatische Bearbeitung von Daten sind akzeptiert und freuen das Prüferherz, weil die Nachverfolgbarkeit – im Sinne von Auditierbarkeit – und Eingriffsmöglichkeiten auf diese Weise einfacher sind.

Dr. Karsten Oehler: Gerade im Rahmen der Konsolidierung ist der Effizienzdruck besonders hoch. Das Thema Fast Close ist ein Dauerthema in Konzernen. Und gerade weil die Konsolidierung nicht zu den zentralen, wertschöpfenden Unternehmensaktivitäten zählt, sollte hier die Wirtschaftlichkeit im Vordergrund stehen. Die Cost of Finance sind mittlerweile ein wichtiger Indikator für die Fähigkeit einer Organisation geworden, wirtschaftlich zu arbeiten. Und da spielen die Konsolidierungskosten eine erhebliche Rolle.

Dieses Effizienzbestreben sollte aber nicht zu Lasten der Nachvollziehbarkeit gehen. Denn was im Erfassungsprozess nicht eingesammelt und strukturiert wird, muss nachher bei der Prüfung teuer bezahlt werden. Hier gilt das klassische Qualitätsmanagement-Prinzip: Qualitätssicherung in den frühen Phasen ist günstig. Konkret bedeutet das unter anderem: Zwischenbetriebliche Abstimmung, also das Intercompany Matching, möglichst nach vorne ziehen, dezentralisieren und hierbei mit allen notwendigen Informationen versehen. Anpassungsbuchungen sind dabei nach Möglichkeit zu automatisieren und als Journale zu hinterlegen, denn die Grundlage jeder Automatisierung sind klare Ableitungsregeln – und das ist immer förderlich für Nachvollziehbarkeit und Erklärbarkeit. Besonders wichtig sind dabei automatisierte Vortragsbuchungen.

 

pmOne: Welche Möglichkeiten bieten technologisch führende Softwarelösungen für die Konsolidierung und Corporate Performance Management heute, die es vor zehn oder 15 Jahren nicht gab?

Dr. Karsten Oehler: An der Konsolidierung selbst hat sich nicht so viel geändert. Allerdings geht man heute deutlich seriöser an die Konsolidierung heran: Früher setzte man auf Business Intelligence Infrastrukturen auf, also sogenannte OLAP-Datenbanken – was einige Anbieter noch immer tun. Heute hat man erkannt, dass eine eher an Buchungen orientierte Infrastruktur deutliche Vorteile bringt: Die Nachvollziehbarkeit ist besser, und komplexe Eliminierungsschritte lassen sich besser kapseln. Dies bedingt, dass die Methoden professioneller implementiert werden. Denn was nützt die Methodenoffenheit, wenn der Konsolidierer plötzlich programmieren muss?

Die enorme Leistungsfähigkeit moderner Architekturen erlaubt heute eine wesentlich bessere Dezentralisierung. Das physische Verschicken von Excel-Packages sollte eigentlich der Vergangenheit angehören. Webbasierte Erfassungen, auch über Microsoft Excel, mit direktem Rückschreiben und temporärer Offline-Planung erleichtern die Administration deutlich. Nicht zuletzt sind die dimensionalen Möglichkeiten enorm gestiegen. Dies erlaubt die direkte Integration mehrdimensionaler Deckungsbeitragsrechnungen mit der klassischen legalen Konsolidierung.

 

pmOne: Wo drückt Anwenderunternehmen beim Thema „Konsolidierung“ der Schuh? Sind die Probleme bzw. wichtigsten Anforderungen heute andere als vor zehn oder 15 Jahren?

Dr. Karsten Oehler: Zentrale fachliche Themen sind die Integration zur Management-Konsolidierung, multiple Abschlüsse nach HGB und IFRS sowie Transparenz. Viele Konzerne betreiben getrennte Systeme für die legale Konsolidierung und die Managementkonsolidierung. Die vor 15 Jahren vorherrschenden Probleme mit Excel-Konsolidierungen findet man eigentlich nur noch bei sehr kleinen Konzernen.

Zu schaffen machen auch die regulatorischen Anforderungen. In den verschiedenen Branchen entwickeln sich spezielle Anforderungen, beispielsweise im Versicherungsbereich Solvency II in den Banken FinRep. Die Abschlussdaten hierfür werden zum Teil in sehr hoher Granularität benötigt. Um da nicht wieder in die klassische Excel-Ecke zurückzufallen, sind sehr flexible Systeme notwendig.

Letztendlich stehen Konsolidierungsprojekte auch unter einem erheblichen Kostendruck. Die Einführung einer Lösung muss reibungslos funktionieren und der Wartungs- und Änderungsaufwand in einem vertretbaren Rahmen bleiben.

Mehr zum Thema Konzernkonsolidierung erfahren Sie in unserer Reihe "The Art of Consolidation". Die Veranstaltung, die vom 22. Oktober bis 26. November in sechs verschiedenen Städten im deutschsprachigen Raum stattfindet, ist von und für Konsolidierer konzipiert und richtet sich an Verantwortliche für das Konzernrechnungswesen, Group Controlling und IT.