Herausforderung „treiberbasierte Planung“ – Teil 3/3

Ist Treiberorientierung ein geeignetes Mittel, um den Planungsprozess effizienter zu gestalten? Was genau hinter dem Konzept der treiberbasierten Planung steckt, hat Karsten Oehler in den beiden ersten Teilen dieser Serie ausführlich dargelegt. Klar geworden ist, dass es sich hier um einen komplexen Ansatz handelt, dessen Anwendung mit großem Aufwand verbunden ist – und deshalb häufig zum Scheitern verurteilt ist. Deshalb widmet sich der dritte und letzte Teil der konkreten Umsetzung und welche Anforderungen ein IT-gestütztes Planungswerkzeug erfüllen sollte, um eine treiberbasierte Planung zu erleichtern.

Treiberorientierung ist keine Frage der Systemunterstützung, sondern der Planungskultur. Allerdings empfiehlt sich der Einsatz eines geeigneten Werkzeugs ab einer gewissen Komplexität.

Bei der Umsetzung der treiberorientierten Planung fällt zuerst die Tabellenkalkulation ins Auge. Abteilungsbezogene Ableitungen lassen sich damit relativ leicht umsetzen. Allerdings ist das kollaborative Arbeiten bekanntermaßen deutlich komplexer. Doch gerade abteilungsübergreifende Abhängigkeiten sind die „Würze“ in einem guten Planungssystem. Und diese lassen sich mit der Tabellenkalkulation nur schwer abbilden. 

Es gibt zahlreiche Anforderungen an Planungslösungen, von denen einige universell und einige speziell auf die Treiberorientierung abstellen. 

 

Was sind wesentliche Anforderungen an eine Planungslösung im Hinblick auf die Treiberorientierung?

  • Die Fachabteilung, also in der Regel das Controlling, sollte in der Lage sein, die Abhängigkeiten zu definieren. Die Abhängigkeiten sollten also nicht kryptisch in einer Programmiersprache angelegt werden, sondern werden idealerweise über einen Assistenten geführt.

  • Abhängigkeitsketten sollten darstellbar sein. Dabei müssen nicht immer Treiberbäume herauskommen. Idealerweise entsteht ein Netzwerk, wobei auch Schleifen nicht auszuschließen sind. 

  • Treiberverknüpfungen sollten bereichsübergreifend definiert werden können. Abhängigkeiten zwischen Abteilungen können in einem Leistungsnetz geplant werden.

  • Beliebige funktionale Abhängigkeiten können entweder bereichsindividuell (und auch ebenso gespeichert) oder als Standardberechnung hinterlegt werden. Ein hoher bereichsspezifischer Individualisierungsgrad sollte realisierbar sein. Es ist nicht realistisch anzunehmen, dass das Wissen um die Abhängigkeiten zentral gesammelt und bereitgestellt werden kann. Die Ableitungsregeln sollten daher auch dezentral erstellt und gewartet werden können. Daraus folgt, dass ein Planungsmodell aus einer zentralen und einer dezentralen Modellierungskomponente besteht. 

  • Die quantifizierbaren Abhängigkeiten sollten berechnet werden können. Nicht quantifizierbare Abhängigkeiten sollten zumindest in ihrer kausalen Abhängigkeit dargestellt werden können.
     
  • Es sollte die Möglichkeit zu Simulation bestehen, idealerweise sollte auch eine Monte Carlo-Simulation möglich sein. Dies setzt allerdings voraus, dass Zufallszahlen nach einer bestimmten Verteilung erzeugt werden können. 

 

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  • Woher kommt das Wissen um die Abhängigkeiten? Es sollte eine gute Ist-Basis existieren. Wenn man dann auch noch das richtige Werkzeug für statistische Analysen hat, lassen sich Treiber besser quantifizieren.

 

 

 

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  • Eine grafische Darstellung der Abhängigkeiten bzw. grafische Eingabemöglichkeit mit der Möglichkeit, fachabteilungsorientiert zu gestalten, ist hilfreich für das Verständnis. Für die quantifizierbaren Abhängigkeiten haben sich Treiberbäume etabliert. Für nicht quantifizierbare Abhängigkeiten empfiehlt sich eine Darstellungsform, wie sie in den Strategy Maps der Balanced Scorecard zum Tragen kommt. 

 

 

 

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  • Ein entsprechendes System sollte die Mittelfristplanung, das Forecasting und die operative Planung unterstützen. Hier ist es sinnvoll, die für eine Planung bereits definierten Abhängigkeiten wiederverwenden zu können. Allerdings sollte es auch möglich sein, die Abhängigkeiten zu überschreiben. So wird in der Mittelfristplanung in der Regel gröber geplant als in der operativen Planung. 

 

 

 

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  • Die Planungsmodule sollten eng verzahnt sein. Ein Anschluss an die konventionelle Planung, also an die Budgetierung die integrierte Erfolgs- und Finanzplanung sollte selbstverständlich sein.

 

 

 

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  • Treiberabhängigkeiten sollten gleichermaßen in der Einzelgesellschaft- und in der Konzernplanung abgebildet werden können.

 

 

 

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  • Es sollten beliebige Mengengrößen geplant und miteinander verknüpft werden können. Dabei kann eine Mengengröße hinsichtlich der Dimensionalität genauso behandelt werden wie jede Kontenposition. 

 

 

 

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  • Zum Teil existieren feste Funktionen wie beispielsweise die Ableitungen der Forderungen über Umsatz und Zahlungsverhalten. Andere Ableitungsregeln sollten frei definiert werden können.

 

 

Diese umfangreichen Kriterien stellen hohe Anforderungen an ein System. Sie werden sicherlich nicht alle unmittelbar bei der Einführung einer werttreiberbasierten Planung benötigt. Als Indikator für die Zukunftssicherheit einer Lösung taugen sie jedoch allemal.

 

Fazit

 

Treiberorientierung ist an sich nichts Neues und wird von vielen Unternehmen bereits praktiziert. Neu ist die Konsequenz, mit der sie in der Planung umgesetzt wird. Allerdings empfiehlt es sich, hier mit Bedacht vorzugehen, denn die Identifikation der Abhängigkeiten ist mit einem nicht zu unterschätzenden Aufwand verbunden. Ist dieser Weg jedoch einmal eingeschlagen, ergeben sich durch die Treiberbasierung verschiedene Vorteile. Neben einem reduzierten Aufwand durch die Anzahl der zu planenden Positionen lassen sich die identifizierten Beziehungen auch sehr gut für Simulationsrechnungen einsetzen.