Use Case Controlling – Kapazitäten

Sie befinden sich in einem etablierten Markt, in dem lediglich ein moderates Marktwachstum und keine gravierenden Veränderungen in der Nachfrage zu erwarten sind. Dementsprechend können Sie gut mittelfristig planen. Sie gehen in Ihrer Mittelfristplanung über 5 Jahre von einer Durchschnittlichen Wachstumsrate von 2 % aus. Eine Analyse über die wesentlichen Einflussfaktoren unterstützt diese Aussage. Die Einflussfaktoren sind unter anderen: Anzahl der Haushalte, Bevölkerung unter 18 Jahre, Volkseinkommen pro 1000 Einwohner, privater Verbrauch pro Kopf.

 

Ihre Planung ist soweit abgeschossen, Maßnahmenpläne sind definiert, die Fachbereiche wissen, was zu tun ist.. Sie beschäftigen sich mit der operativen Jahresplanung zur Konkretisierung der strategischen Planung und der Koordination der Fachbereiche.

 

Nun tritt eine neue Markt-Konstellation ein. Ein Konkurrenzunternehmen ist durch technische Probleme, die intensiv in der Fachpresse diskutiert wurden, in Schwierigkeiten geraten. Es wird erwartet, dass insbesondere Neukunden entsprechend vorsichtig reagieren und andere Anbieter in ihrer Auswahl bevorzugen. Aus ähnlichen (eigenen) Erfahrungen in der Vergangenheit schätzen Ihre Experten, dass ein Absatzrückgang von 10 % bis 20 % realistisch ist. Durch eine speziell auf die technischen Probleme Ihres Konkurrenten ausgerichtete Marketing-Aktion schätzen Sie, dass Sie 40 % der Nachfragereduzierung Ihres Konkurrenten im nächsten Jahr als Neukunden gewinnen können. Sie haben einen Marktanteil von 18 %, Ihr Konkurrent von 16%. Durch entsprechende Kundenbindungsmaßnahmen gehen Sie davon aus, dass Sie die Absatzsteigerung im zweiten Jahr zu 60 % und im dritten Jahr zu 25% halten können. Sie planen eine entsprechende Marketingmaßnahme „Safe Harbour“ bei gleichzeitiger Verstärkung Ihres Vertriebs. Sie entwerfen ein entsprechendes Treibermodell und erstellen ein Basisszenario.

 

Wie sieht mit dieser veränderten Konstellation die Kapazitätsseite aus? Ihre ursprüngliche Planung ging bereits von einer Auslastung von 106 % aus, verursacht durch einen akquirierten Großauftrag. Sie ermitteln, dass die zukünftig erwartete Nachfragesteigerung zu einer Überauslastung jenseits der üblichen Kapazitätsanapassungsmaßnehmen führen würde. Aus dem ERP System ist über eine Aggregation ein Kapazitätsplanungsmodell erstellt worden. Hierzu wurden die verschiedenen Fertigungsschritte zu zwei Engpassbereichen zusammengeführt.

Use Case Controlling - Kapazitäten

Kritisch ist davon ein Bereich, nämlich die Auslastung einer konkreten Maschine. Eine Abdeckung über Zusatzschichten ist außerdem nur noch begrenzt möglich, denn Ihr Betriebsrat hat sich dagegen ausgesprochen. Die Ausdehnung der Kapazität wäre durch Anschaffung einer weiteren Maschine möglich, allerdings besteht das Risiko einer mittelfristigen Überkapazität, da die zusätzlich angeschaffte Maschine eine deutliche Fixkostensteigerung verursacht. Es müssten zudem neue Mitarbeiter eingestellt werden, deren Einarbeitung eine deutliche Verzögerung nach sich ziehen würde.

Insofern wird eine Alternative in einer Fremdvergabe gesehen. Hierzu bestehen bereits Kontakte zu einem Zulieferer, mit dem in der Vergangenheit bereits gute Erfahrungen gemacht wurden. Die Materialien würden zum Zulieferer geliefert werden, sodass - neben den Fertigungskosten - mit erhöhten Transport- und Qualitätssicherungskosten zu rechnen ist. Vertraglich kann eine moderate Mindestabnahme vereinbart werden. Sie können eine maximal 20-prozentige Kapazitätssteigerung erreichen. Allerdings muss auch berücksichtigt werden, dass es unter Umständen zu Materiallieferengpässen kommen könnte, da die Konkurrenz ein ähnliches technisches Verfahren verwendet, sodass grundsätzlich die gleichen Lieferanten von Ihren Mitbewerbern angefragt werden dürften.

In Ihrem Beschaffungsmarkt ist davon auszugehen, dass der gestiegene Bedarf nur zu einem gewissen Teil ohne Zusatzinvestitionen abgedeckt werden kann. Höhere Fertigungskosten (z.T. durch Überstunden) Ihrer Lieferanten werden mit hoher Wahrscheinlichkeit an Sie weitergegeben, wenn die Verknappung nicht sogar zu deutlich höheren Marktpreisen führt.

 

Im Rahmen einer Szenarioanalyse werden drei Fälle durchgespielt:

Fall 1: geringer Nachfrageanstieg, Entscheidung über Fremdfertigung

  • die Marketingskampagne ist nicht erfolgreich
  • es entstehen leichte Überkapazitäten

Fall 2: Hoher Nachfrageanstieg, Entscheidung ohne Fremdfertigung

  • Marktanteile gehen verloren
  • die Marketingskampagne erweist sich als nicht wirtschaftlich.  

Fall 3: Hoher Nachfrageanstieg, Entscheidung für Fremdfertigung

 

 

Sie ordnen den Szenarien Wahrscheinlichkeiten zu und entscheiden sich für die Fremdvergabe.


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