Was kann der neue Business Analytics Service Power BI 2.0 von Microsoft?

Am 24. Juli 2015 hat Microsoft mit Power BI 2.0 seinen neuen aktuellen „Business Analytics Service“ veröffentlicht. Die bisherige Power BI Office 365 wird damit ergänzt und perspektivisch ersetzt. Aus den aktuellen Komponenten von Power BI bleiben Funktionen wie Reports mit einfach zu erstellenden Visualisierungen, Karten und das „natural language interface“, also Fragen, die automatisch in passende Analysen überführt werden, erhalten. Zusätzlich bietet Power BI 2.0 jetzt eine vom Office gelöste eigenständige, in sich vollständige und teamfähige Business Analytics Lösung als Service. Einige Consultants der pmOne haben sich damit bereits in der Beta Phase beschäftigt und evaluiert, was und in welchen Anwendungsszenarien ein Einsatz von Power BI 2.0 sinnvoll ist und wo (noch) nicht.

Was ist Power BI 2.0?

Microsoft Power BI 2.0 besteht aus einem Onlineservice sowie einer Desktop Komponente die als persönliche BI Umgebung dienen kann aber auch die erweiterte Modellierung vor der Publikation auf den Power BI 2.0 Service vornimmt. Während der Service primär die Anzeige von Reports, einen Einstiegspunkt in Form von Live-Dashboards mit Sprung auf die jeweiligen Reports, das Anpassen und Erstellen von Reports sowie die regelmäßige Aktualisierung der Daten im Browser und Mobilgeräten anbietet, stellt Power BI 2.0 Desktop die eigentliche Modellierung zur Verfügung.

Im Power BI 2.0 finden sich drei wesentliche Komponenten:

  • Datenintegration aus einer großen Menge an Quellen, inklusive direktem Laden von Website und vordefinierte Verbindungen zu Cloud Diensten wie etwa Salesforce oder Google Analytics. Über die Datenintegration können sowohl Daten selektiert als auch mit Hilfe einer Skriptsprache typische Operationen wie etwa die Transformation von Datentypen oder das Eliminieren von Kopfzeilen definiert werden. (pmOne Blog -Einstieg in Power Query Formula Language (M)). Diese Importdefinitionen erlauben dann eine einfache Aktualisierung aus den Quellen, da der Ablauf festgelegt und somit wiederholbar ist.
  • Datenmodellierung, in der die Beziehungen der zu analysierenden Daten definiert werden, falls diese nicht schon automatisch erkannt wurden. Aus diesen verknüpften Daten wird ein multidimensionales, spaltenorientiertes In-Memory Modell generiert. Dazu kommt die Möglichkeit, erweitere Business-Rules, Kennzahlen und andere Logik im Modell über die DAX Syntax zu integrieren.
  • Datenvisualisierung in einfachen Tabellen, Grafiken oder Karten über BING, die dann aus verschiedenen Reports heraus auf Dashboards angeordnet werden können und so einen zentralen Navigationseinstieg bieten. Die Visualisierungen sind dann in verschiedensten Clients und über Apps (u.a. in Windows Phone, Android, IOS) abrufbar.

Für wen ist Power BI 2.0 gedacht?

Unser erster Eindruck ist, dass Microsoft Power BI 2.0 auf kleinere Unternehmen abzielt, die mit möglichst schlanken Tools und Prozessen intelligente Datenanalysen nutzen wollen. Diese Vorteile sind aber natürlich auch für größere Unternehmen in bestimmten Szenarien nutzbar.

Zielgruppe in größeren Unternehmen sind Analysten oder Controller, die mit bekannten und neuen Datenquellen arbeiten und mit diesen Auswertungen erstellen wollen. Dies beinhaltet Mash-Ups, Data Discovery, die Erstellung von Ad-hoc-Analysen, Team- oder Abteilungslösungen sowie die Verwendung mit Cloud Daten aus vordefinierten Quellen und Realtime Streamingdaten. Die sehr einfache Modellierung direkt in Power BI 2.0 Desktop erlaubt es, mit Daten zu arbeiten, für die man bisher eine Kombination aus Datenbanken und Integrationswerkszeugen benötigte (u.a. unterstützt durch Analysedatenhaltung in Power Pivot bei großen Datenmengen).

Daher ist eine der Stärken von Microsoft Power BI 2.0 die Lösung für Spezialanfragen, Ad-hoc-Analysen, aber auch für das sogenannte Data Discovery, also die explorative Erschließung von kaum oder unbekannten Daten in Kombination mit bereits vorhandenen gut erschlossenen Quellen.

Das Power BI 2.0 Modell mit seiner Definition von Transformationen für den Import sowie Regeln, Ableitungen und berechnete Erweiterungen ersetzt dann älter Lösungen in Excel und Access, die nur umständlich oder von "Insidern" aktualisiert und weiter betrieben werden können. Eine Datenaktualisierung ist im Power BI 2.0 ein fester Ablauf, der auf Knopfdruck und in festgelegten Intervallen erfolgen kann. Der Zugriff und die Verteilung der Daten in Arbeitsgruppen oder verteilten Kundenkreisen, was bisher entweder über den Versand von Reports, Excel Arbeitsmappen, freigegebenen Netzlaufwerken oder (sofern vorhanden) Sharepoint organisiert werden musste, ist mit dem Online-Service von Power BI 2.0 problemlos möglich.

Der Zugriff kann gesteuert werden und es ist keine weitere Infrastruktur dafür notwendig. Aktualisierungen von Daten erfolgen entweder durch den Ersteller oder zeitgesteuert im Service, der mit entsprechender Berechtigung auch auf lokale Daten zugreifen kann. Weiter bietet Power BI 2.0 eine sehr einfache Option, interaktive Analysen auf mobile Clients darzustellen, indem die Dashboards und Reports direkt in entsprechenden Apps verwendet werden.

Was ist neu an Power BI 2.0?

Power BI 2.0 ist eine Kombination aus Desktop Komponente und Service in der Cloud, die eine in sich vollständige Business-Intelligence-Lösung mit Datenintegration, analytischem Datenmodell und Reports bietet. Diese Kombination ist von Microsoft bewusst außerhalb der bisherigen im Office eingebetteten Werkzeuge positioniert und kann so mit einer eigenständigen Release-Strategie gepflegt werden.

Die Auswahl an Charts für Reports ist trotz der Möglichkeiten für die Kartendarstellung ein erster Wurf, der stetig und in kurzen Zyklen weiterentwickelt werden soll. Ein weiteres Indiz, dass die Lösung durch eine User Community weiterentwickelt werden soll, ist die Tatsache, das der Quellcode der Visualisierungen als öffentlich gemacht wurde, so dass auch andere findige Köpfe und Anbieter eigene Visualisierungen bereitstellen können. Für eine zunehmende Zahl von etablierten Lösungen ist deren Zugriff und Einbindung über Power BI 2.0 sehr einfach.

Letztendlich lässt sich kostenlos eine persönliche Umgebung aufbauen und testen, die dann mit anderen Nutzern geteilt werden kann, ohne eine spezielle Infrastruktur zu benötigen. Die Nutzung des Service wird bei Verteilung im Team, größeren Datenvolumina (über 1 GB) oder kurztaktiger Aktualisierung (kürzer als täglich) kostenpflichtig mit einem festen Monatsbetrag.

Ein Dashboard aus Microsoft Adventure Works lässt sich mit Power BI 2.0 einfach erstellen.

 

Es gibt doch schon Power BI?

Ja und es gibt auch bis auf weiteres die gleichen Komponenten als Excel Add-Ins, nämlich „Power Query“, „Power Pivot“, „Power View“ und „Power Maps“, die bei Microsoft jetzt als „Power BI 365“ firmieren. Die mit Power BI 365 erstellten Modelle können dann im Sharepoint veröffentlicht werden und dort mit SQL Server Analysis Services Datenmodellen und regelmäßigen Aktualisierungen aus bestimmten Quellen betrieben werden. Power BI 2.0 erfordert dagegen keine weiteren Lizenzen und soll sich schneller weiterentwickeln, ohne an Office Releasezyklen und eventuell restriktiver Versionspolitik einer Unternehmens-IT gebunden zu sein. Ein Import von Power BI 365 Lösungen in Power BI 2.0 ist bisher nur für die Quelldefinitionen möglich, das Modell und die Reports müssen neu erstellt werden.

Was kostet Power BI 2.0?

Power BI 2.0 ist anfangs kostenlos zu nutzen, der Power BI 2.0 Desktop erfordert keine spezielle Lizenz und kann ebenfalls frei genutzt werden. Die Nutzung ist im persönlichen Gebrauch frei inklusive der Onlineservices und der mobilen Apps.

Erst wenn das Volumen 1 GB übersteigt, die Daten öfter als einmal am Tag aktualisiert, der Zugriff über Online-Services direkt auf lokale Daten erfolgen oder mit anderen Nutzern die Anwendung mit entsprechender Security geteilt werden soll, kostet die Variante Power BI 2.0 Pro zehn US-Dollar im Monat.

Mit Microsoft Power BI 2.0 Pro können Anwender dann auch eigene „Content Packs“ definieren und vorgefertigte Lösungen verteilen, die dann von den Nutzern lokal genutzt werden können. Auch die Verwendung des neuen Azure Data Catalogs, der in einer Gruppe, einer Abteilung oder im Unternehmen Abfragedefinitionen und von den Nutzern pflegebare Metadaten verwaltet und abrufbar macht, ist der Pro Version vorbehalten.

Welche Quellen kann man anbinden?

Mit Power BI 2.0 ist es möglich, eine Vielzahl unterschiedlicher Datenquellen anzubinden. Neben einfachen Text- und Excel-Dateien, können Daten von Webseiten gelesen, relationale und multidimensionale Datenbanken abgefragt sowie diverse Onlineservices verwendet werden. Power BI Modelle, die im Power BI Desktop oder mittels Excel Power Pivot erstellt wurden, können ebenso in das Power BI Portal geladen und mit Kollegen geteilt werden. Zurzeit sind dies:

 

Files

EXCEL, CSV, TXT, XML

Azure

Azure SQL Database

 

Import aus Verzeichnissen

 

Azure SQL Marketplace

Databases

SQL Server Database

 

Azure HDInsight

 

Access Database

 

Azure BLOB Storage

 

SQL Server Analysis Services Database

 

Azure Table Storage

 

Oracle Database

 

Azure Stream Analytics

 

IBM DB2 Database

Others

Web

 

MySQL Database

 

OData Feeds

 

PostgreSQL Database

 

ODBC

 

Sybase Database

 

SharePoint Lists

 

Teradata Database

 

Active Directory

 

 

 

Salesforce

 

 

 

Microsoft Dynamics CRM Online

 

 

 

Google Analytics

 

 

 

Facebook

 

Eine aktuelle und vollständige Übersicht über alle Datenquellen findet sich unter: https://support.powerbi.com/knowledgebase/articles/471643-data-sources-in-power-bi-desktop

 

Können aktuelle Daten in Power BI 2.0 eingebunden werden?

Ja - in Power Bi 2.0 können Live-Daten angebunden und angezeigt werden. Grundlegend lässt sich diese Anbindung in zwei Bereiche unterteilen: Live-Daten aus der Cloud und alternativ aus einer lokalen Quelle.

Für die Anbindung einer lokalen Quelle können Daten aus einem Tabular Model (SQL Server Analysis Services), das lokal auf einem Server betrieben wird, über den Power BI Analysis Services Connector in Power BI 2.0 verwendet werden, ohne diese Daten in der Cloud speichern zu müssen. Grundlegend wird das Tabular Model als Quelle den Power BI 2.0 Reports hinzugefügt und die Daten anschließend, sofern es für den Betrachter freigegeben wurde, bei jedem Aufruf aktualisiert werden.

Neu können nun mit Power BI 2.0 zusätzlich in der Kombination mit der Azure Cloud Lösung von Microsoft unkompliziert Streamingdaten live in Reports eingebunden werden. Den Datenverteiler hierzu stellt der Azure EventHub zur Verfügung, der externe Daten (Streaming Daten) annimmt, puffert und diese anschließend Azure Stream Analytics Konsumenten zur Verfügung stellt. Diese Datenströme lassen sich near-realtime durch eine Push API im Hintergrund verarbeiten und in Power BI 2.0 direkt in den Dashboards und Reports analysieren.

 

Mit Power BI 2.0 lassen sich Live-Dashboards mit Streaming Daten erstellen.

Auch andere Prozesse außerhalb von Microsoft Azure können diese API nutzen, um Daten nach Power BI 2.0 zu „pushen“. Ich konnte das Szenario „Verarbeitung von Streaming Daten mit Azure Stream Analytics“ bereits erfolgreich nachbilden und testen. Beschränkt wird dies jedoch in der freien Variante durch einen maximalen Durchlauf von 10.000 Zeilen pro Stunde, in der Pro Version sind es 1 Millionen Zeilen pro Stunde.

Was sind Power BI 2.0 Content Packs?

Power BI 2.0 Content Packs sind vordefinierte Lösungen, die als „Paket“ verteilt werden können, und aus Import, Modell und Berichten bestehen. Dabei sind die vordefinierten Imports aus den Quellen sowie das Modell nur nutzbar, aber nicht mehr anpassbar, zusätzlich werden auch statische Daten im Modell mit „verpackt“.

Diese Content Packs können dann über eine entsprechende Gallery den Nutzern angeboten werden. Der Nutzer eines Content Packs kann dann nur die Berichte verwenden, modifizieren oder neue erstellen sowie Daten (die aus Quellen wie Datenbanken, SQL Server Analysis Services Modellen oder über Online-Services abgerufen werden können) mit den persönlichen Rechten aktualisieren (sofern der Zugriff gewährt wurde).

Power BI 2.0 Content Packs sind damit ein völlig neuer Weg, analytische Lösungen mit Berichten in einem Unternehmen zu verteilen oder externen Nutzern eine (zur persönlichen Nutzung) freie Analyselösung zur Verfügung zu stellen. So gibt es etwa ein Content Pack für die amerikanische cloudbasierte Accounting Lösung Books-Online, die bei kleinen Unternehmen eingesetzt wird, oder ein Content Pack für Google Analytics, um Betreibern von Webseiten eine einfache Auswertung der Daten zu ermöglichen.

Fazit zu Power BI 2.0

Aus unserer Sicht bietet Microsoft mit Power BI 2.0 eine bisher fehlende eigenständige, integrierte Lösung für Datenanalyse und Team- Reporting, die zur Zeit nur mit mehreren Produkten (Excel, Access, SQL Server, Sharepoint) und technischem Know-how erreicht werden konnte. Die Zusammenführung von Komponenten für Datenintegration, Datenmodellierung und Reporting bzw. Datenvisualisierung ist einfach und schnell zugänglich.

Allerdings sind Power BI 2.0 bisher klare Grenzen gesetzt, an denen dann die „großen“ Lösungen wieder ins Spiel kommen. Microsoft positioniert Power BI 2.0 klar unterhalb der Anforderungen eines Enterprise Reportings. So lassen sich derzeit keine Standards für das Design der Reports festlegen und auch komplexe Charts mit Kombinationen verschiedener Typen können nicht erstellt werden.

Idealerweise kommt Power BI 2.0 im Unternehmen dann zum Einsatz, wenn es darum geht, ergänzend zu Unternehmensdaten aus einem Data Warehouse für Ad-hoc-Analysen zu erstellen oder komplett neue Themengebiete, in denen Schnelligkeit und Flexibilität der Umsetzung entscheidend sind, zu explorativ aufzubereiten. Dass Analysen über den Power BI 2.0 Onlineservice sowie den Power BI Apps auch einfach mit anderen geteilt werden können, passt in diese Einsatzszenarien.

 

Beispiel für Power BI 2.0 mobile Apps

Stefan Rahlf

Arbeitet seit Ende der 90er mit OLAP Datenbanken und Reportingwerkzeugen. Schwerpunkte waren lange Zeit die Modellierung von analytischen Modellen, KPIs und Berechnungsregeln sowie indivduelle Reports. Mit dem zunehmenden Einsatz und der steigenden Leistungsfähigkeit des Microsoft SQL Servers wuchsen die Lösungen und Datenmengen so dass die letzten Jahre der Schwerpunkt eher auf dem klassischen Data Warehouse Design und Implementierung lag. Die lange Erfahrung und die Varianz der Tools über die Zeit bilden die Erfahrungsgrundlage für eine ganzheitliche Sicht auf BI Lösungen in der Rolle als Architekt.

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