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Green Controlling (Teil 6/8) – ESG-Kennzahlen auf Produktebene und ein nachhaltiges Geschäftsmodell (Stufe 3 und 4 im ESG-Reifegradmodell)

30.10.2023 | Harald Lakatha

Veränderungen im Kundenverhalten, neue Bewertungskriterien am Kapitalmarkt oder regulatorische Anforderungen: Unternehmen können sich dem Thema Nachhaltigkeit heute nicht mehr entziehen. Unsere 8-teilige Serie zum Thema „Green Controlling“ beschäftigt sich mit den wesentlichen Punkten aus unserem Whitepaper „ESG-Reifegradmodell – Vier Stufen für ‚Green Controlling‘ im Unternehmen“. Teil 6 widmet sich der dritten und vierten Stufe des Modells, das heißt: Das Unternehmen betrachtet Nachhaltigkeit unter anderem auf der Ebene von Produkten oder richtet sogar das komplette Geschäftsmodell auf Nachhaltigkeit aus.

Nachhaltigkeit auf allen Ebenen

In Teil 5 der Serie haben wir gesehen, was es bedeutet, wenn Unternehmen in Stufe 2 unseres Reifegradmodells jenseits des reinen „Pflichtteils“ ihre Nachhaltigkeit aktiv verbessern möchten. Nun soll es zum einen darum gehen, wenn in Stufe 3 Nachhaltigkeit deutlich detaillierter zu planen und zu ermitteln ist - nämlich auf der Ebene von Produkten und Dienstleistungen. Zum anderen werfen wir auch einen (kurzen) Blick auf die Stufe 4, bei der Nachhaltigkeit zum Kern des Geschäftsmodells wird.

Produkte und Dienstleistungen nachhaltiger machen

In Stufe 3 (siehe Abbildung 1) berichten Unternehmen ihre ESG-Kennzahlen nicht nur organisations-global, sondern berechnen und planen den Footprint auf der Ebene von einzelnen Produktgruppen, Produkten sowie Dienstleistungen.

Die Gründe für solche strategischen Ziele sind vielfältig. Einer der häufigsten ist die Anforderung an bestimmte Unternehmen, die ESG- Kennzahlen entlang ihrer Lieferkette erheben zu müssen. Hierzu benötigen sie von ihren Lieferanten genaue Informationen zu nachhaltigkeitsrelevanten Themen, etwa zu den Treibhausgas-Emissionen, zur Einhaltung sozialer Standards oder zum Wasserverbrauch.

Der Bedarf zu einem genaueren Reporting kann auch von Seiten der Zielgruppen des Unternehmens herrühren. Das gilt vor allem wenn die Unternehmen für Endverbrauchende produzieren. So sind die Zielgruppen bei Warengruppen wie Fast Fashion, Möbeln oder Nahrungsmitteln zunehmend sensibler und machen ihre Kaufentscheidung auch von der Nachhaltigkeit eines einzelnen Produkts abhängig.

In Stufe 3 des Reifegradmodells steht die Nachhaltigkeit von Produkten und Dienstleistungen im Fokus

Abbildung 1: In Stufe 3 des Reifegradmodells steht die Nachhaltigkeit von Produkten und Dienstleistungen im Fokus

Steigende Anforderung an die Reporting-Technologie

Das spätestens bei diesem Umfang und Detaillierungsgrad der Stufe 3 eine Ablöse der Excel-Sheets erforderlich ist, liegt auf der Hand. Nun bedarf es einer übergreifenden Lösung zur Sammlung und Aufbereitung der Rohdaten. Dadurch lassen sich in der Folge manuelle Arbeitsschritte eliminieren und die Erfassung der Rohdaten gelingt deutlich schneller. Auch die Frequenz ist nun flexibel, so dass Unternehmen die Rohdaten nicht nur ein-bis zweimal jährlich, sondern je nach Bedarf monatlich, wöchentlich oder sogar täglich sammeln können. Auch hinsichtlich der Datenqualität führt eine entsprechende Lösung zu Verbesserungen, da sich die Rohdaten nun immer einheitlich und bei jedem Durchlauf konsistent erfasst lassen und ein kontinuierlicher Soll-Ist-Vergleich der geplanten und erreichten Ziele möglich ist.

Berechnungen auf Produktebene als IT-Projekt

Die Berechnung von ESG-Kennzahlen auf Produktebene ist mit der klassischen Kostenrechnung im Unternehmen vergleichbar. Entsprechende Vorgehensmodelle und Tools aus diesem Bereich sind als Ausgangsbasis entsprechend gut geeignet. Der einzige Haken: Aktuell bietet der Software-Markt für solche Vorhaben keine fertigen Standardprodukte. Die Umsetzung erfolgt also in der Regel als individuelles IT-Projekt.

Es gibt auch eine zentrale inhaltliche Herausforderung in dieser Stufe. Der Erfolg hängt nämlich daran, ob Unternehmen in der Lage sind, die vorhandenen Daten einzelnen Produkten oder Dienstleistungen genau zuzuordnen. Was den Aufwand angeht, gilt dabei eine einfache Formel: Je höher die Zuordnungsebene ist – beispielsweise auf Werks- oder Produktgruppen-Ebene-, desto aufwändiger ist auch der Schlüssel zur Berechnung der ESG-Kennzahl für das einzelne Produkt.

Sie ahnen es: Diese Stufe stellte hohe Anforderungen an die Art und Weise, wie Unternehmen Daten sammeln, verarbeiten und auswerten. Hierfür ist also eine solide Digitalisierungsstrategie als Grundlage unerlässlich. Doch auch wenn diese Weichen gestellt sind, ist es kein Spaziergang, den

Nachhaltigkeits-Footprint auf Produktebene zu messen. Die Unternehmen müssen hierzu umfassende Daten über die in den Produkten verwendeten Materialien, die Herstellungsprozesse, die Lieferketten und die Nutzungsphase des Produkts sammeln und auswerten. Erst dann ist es möglich, konkrete Kennzahlen wie die CO2-Emissionen oder den Energieverbrauch tatsächlich pro Produkt zu berechnen und diese Kennzahlen mit denen von anderen Produkten oder mit Branchenstandards zu vergleichen.

Etablierung einer ESG-Kostenrechnung

Wie erwähnt, sind für die Berechnung von ESG-Kennzahlen auf Produktebene zusätzliche Daten und Analysen erforderlich, die der klassischen Kostenrechnung ähneln. Anstelle der Kosten pro Produkt sind es eben dann zusätzlich die ESG-Kennzahlen pro Produkt.

Bei der Kostenrechnung sind üblicherweise die Komponenten Materialkosten, Arbeitskosten sowie Fix- und variable Kosten enthalten. Im Unterschied dazu sind bei der Berechnung von ESG-Kennzahlen auf Produktebene zusätzlich Daten zu den verwendeten Ressourcen, den Emissionen sowie den Auswirkungen auf die Gesellschaft und die Umwelt mit einzubeziehen. Die erforderlichen Rohdaten liefert die in den Stufen zuvor implementierte Datenplattform und das Sammeln und Konsolidieren erfolgt ebenfalls in einem entsprechend eingerichteten Tool.

Die wirkliche Neuerung in dieser Stufe besteht in der Anwendung, die die ESG-Kennzahlen auf die einzelnen Produkte und Produktgruppen aufteilt. Auch hier hilft die Analogie zur klassischen Kostenrechnung. Während dort die Fixkosten und variablen Kosten aufgeschlüsselt werden, sind es bei den ESG-Kennzahlen die globalen Anteile (z.B. der CO2 Footprint des Verwaltungsgebäudes), die auf die Produkte aufgeschlüsselt werden und die Zuweisung der direkten Anteile (z.B. der Stromverbrauch bei der Herstellung) auf das Produkt.

Hier stellt sich wieder eine doppelte Herausforderung in technologischer und inhaltlicher Sicht. Schließlich erfordert eine solche Analyse nicht nur eine geeignete ESG-taugliche Anwendung, sondern auch weitreichendes Wissen rund um die Produktionsprozesse. Hinzu kommt der Einsatz von umfangreichen Ressourcen zur Etablierung des gesamten Vorgehens.

Vollautomatisierung im ESG-Kontext

Damit ein Unternehmen die Rohdaten für das ESG-Reporting vollständig automatisiert verarbeiten kann, sind verschiedene Technologien erforderlich, die das Erfassen, Sammeln und Aufbereitung der Rohdaten ermöglichen. Entscheidend hierzu ist als Technologie die bereits erwähnte gemeinsame Datenplattform, die die Daten aus Silos befreit, zusammenführt sowie verwaltet und dadurch überhaupt erst eine schnelle Analyse und ein entsprechendes Reporting ermöglicht. So müssen beispielsweise produzierende Unternehmen Daten zum Energieverbrauch, der Wasseraufbereitung, dem Abfallmanagement sowie produktionsspezifische Daten wie die Produktionsmenge und -qualität sammeln. Solche Daten sind in der Regel über sehr unterschiedlich Quellen zugänglich, beispielsweise über Messgeräte, ERP-Systeme und Managementsysteme - die entsprechend in die gemeinsame Datenplattform integriert sein müssen.

Potenziale und Grenzen dieser Stufe

Möglicherweise sind für ein vollständiges ESG-Reporting sogar Daten aus externen Quellen zu ergänzen. Hierzu gehören beispielsweise Benchmarks für durchschnittliche Treibhausgas-Emissionen von Ressourcen oder Tätigkeiten, z.B. für Scope-3-Emissionen von Vorfertigungsprodukten und Rohstoffen, Umweltdaten wie Luft- und Wasserqualität oder soziale Daten zu den Arbeitsbedingungen. Der Zugang zu solchen Daten kann über öffentliche Institutionen, Nachhaltigkeits-Rating-Agenturen oder Branchenverbände erfolgen, wobei eine direkte Integration dieser Daten in die gemeinsame Datenplattform erforderlich ist.

Zudem erfordert eine automatisierte Datenerfassung und -verarbeitung sowohl technisches Know-how als auch ein tiefes Verständnis der Geschäftsprozesse und -daten. Hierzu ist ein passendes Team bestehend aus Nachhaltigkeitsmanagern und Technikern zusammenzustellen. So lässt sich sicherzustellen, dass beides stimmt: es werden die richtigen Daten erfasst und sie werden in der richtigen Weise verarbeitet. Dies ist neben der gemeinsamen Datenplattform, ein entscheidender Schritt, damit eine automatisierte und zuverlässige ESG-Berichterstattung gelingt.

Einordung im Kontext der Unternehmensstrategie

In Stufe drei steigen auch die Anforderungen an eine regelmäßige Überwachung der Ziele.  Die Aktualität der ESG-Kennzahlen ist hierbei nur über eine zentrale Datenplattform zu gewährleisten, die die Rohdaten automatisiert und direkt aus den Vorsystemen sammelt und vorverarbeitet. Auf den Punkt gebracht: Nur auf diesem Weg sind Unternehmen in der Lage, ein „Green-Controlling“ zu etablieren und Nachhaltigkeit aktiv zu steuern.

Hinzu kommt, dass mit einer Datenplattform auch die Identifizierung von bestimmten Trends und Mustern möglich ist, die beim aktiven Management des ESG-Footprints eine wichtige Rolle spielen können. So wird zum Beispiel sichtbar, wo das Unternehmen die größten ESG-relevanten Auswirkungen hat und in welchen Bereichen dringend eine Verbesserung notwendig ist.

Ein zentraler Vorteil des Ansatzes der Produktnachhaltigkeit liegt darin, dass er konkrete Ziele und Maßnahmen für jedes einzelne Produkt definiert. Dadurch ist letztlich eine direkte Verbesserung der Umwelt- und Sozialperformance überhaupt erst möglich. Die Schattenseite liegt natürlich in der aufwendigeren Umsetzung und den erforderlichen Investitionen in die Datenerfassung und -analyse. Im Vergleich lassen sich organisationsglobale Maßnahmen oft einfacher und schneller umzusetzen. Dafür fehlt hier eben die direkte Steuerung der Umwelt- und Sozialperformance auf Produktebene.

Das Geschäftsmodell auf dem Prüfstand

An dieser Stelle befinden wir uns am Übergang von der Stufe 3 zur Stufe 4 (siehe Abbildung 2) des Reifegrademodells. In dieser Stufe geht es darum, dass Unternehmen Ihr grundlegendes Geschäftsmodell transformieren. Hierbei erschließen sie neue Geschäftsfelder, die nachhaltiger sind und auf denen Sie bisher nicht aktiv waren. Zudem ziehen sie sich aus nicht-nachhaltigen Geschäftsfeldern zurück.

Eine solche Nachhaltigkeitsstrategie kann für Unternehmen relevant sein, deren aktuelles Geschäftsmodell per se nicht nachhaltig ist, weil es beispielsweise seinen Umsatz hauptsächlich durch Einweg-Plastikprodukten erzielt oder auf der Ausbeutung von Ressourcen basiert. Hier steht also nicht die bloße Verbesserung bestimmter Produkte oder Prozesse im Fokus, sondern die grundsätzliche Art und Weise wie Produkte oder Dienstleistungen erbracht werden. Das dies eine lange Herkulesaufgabe ist, erklärt sich von selbst.

Für Unternehmen, deren aktuelles Geschäftsmodell nicht nachhaltig ist, ist es jedoch möglicherweise die einzige Chance, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben und den Umwelt- und Sozial-Impact zu reduzieren. Die Umsetzung dieser Stufe ist primär eine Aufgabe für die Geschäftsleitung und würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen. Das technologische Rüstzeug hierzu ist prinzipiell bereits in Stufe 3 vorhanden.

Apropos Rüstzeug: Im nächsten Teil dieser Serie geben wir Ihnen einen Überblick, welche Leistungen wir rund um das ESG-Reporting anbieten.

In Stufe 4 transformieren Unternehmen ihr Geschäftsmodell hinsichtlich Nachhaltigkeit

Abbildung 2: In Stufe 4 transformieren Unternehmen ihr Geschäftsmodell hinsichtlich Nachhaltigkeit

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Smart Start ESG Light | Key Visual | Herzförmiges Blatt in den Händen
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Harald Lakatha

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